Nachtgedanken

Und dann liegt er da so im Bett und auch der Schnuller und die Babyflusihaare können nicht verbergen: da liegt ein Kind, ein großer Junge. Längst kein Baby mehr, ist er die letzten Monate in die Höhe gewachsen, hat sich gestreckt, lange Beine bekommen und Speckfalten verloren. Wo ist das kleine glitschige Bündel hin, das erst vor gut 23 Monaten auf dem Boden zwischen meinen Knien lag und an das ich beim ersten Blick mein Herz verlor?

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Placebobrause

Globulis – kleine Zuckerkugeln ohne jeden Wirkstoff gehören seit ein paar Jahren fest zur Ausstattung zahlreicher Mütterhandtaschen. Ob Sturz oder Schnupfen: Die süße, aber sehr teure Hilfe naht.

Für mich ist das nichts. Ich weigere mich zu glauben, dass Wasser irgendein Gedächtnis hat oder wie auch immer angeblich die Wirkung homöopathischer Mittel entsteht.   Ich glaube vielmehr, dass es einen sehr effektiven Placeboeffekt gibt. Den gibt es aber auch schon ganz preiswert: durch Zuneigung, Trösten, Pusten, ein buntes Pflaster auf der Schramme oder ein Tag auf dem Sofa mit warmem Vanillepudding, wenn man krank ist. Vieles kann bei kleinerem Unwohlsein oder Verletzungen gut tun – der Seele und dem Körper.

Und wenn es hier doch mal richtig rummst, so dass das “Aua“ und das Herzeleid besonders schwer sind, dann kriegen meine Kinder auch winzige Kügelchen. Aus Brause. Umgefüllt in ein braunes Medizinglas. Dieses wird im Fall der Fälle hervorgeholt, sorgfältig eine Kugel in passender Farbe zur Verletzung ausgewählt und dann unter der Zunge platziert mit der strikten Anweisung, langsam zu lutschen. Wichtig ist dabei die ernste Miene, dass das jetzt genommen werden muss, obwohl es vielleicht nicht schmeckt*.

Auch wenn das genauso Beschiss ist, wie mit Globuli und Co.: Es wirkt tatsächlich. Und sei es nur, weil das Kind dank Lutschen vom Weinen abgelenkt ist.

*Das MiniMi flüsterte mir letztens zu “Mama, die Medosin schmeckt mir aber doch lecker.“

(Ich muss hier nicht dazu schreiben, dass das kein ernst gemeinter medizinischer Rat ist, oder? Jeder ist freundlich aufgefordert, gesunden Menschenverstand zu benutzen, und im Fall der Fälle einen Arzt aufzusuchen.)

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Dann hat es Pong gemacht

Der Nachmittag war heute zum Mäusemelken. Geplant war: Ich hole das MiniMi vom Kindergarten ab, bringe es mit He-Man zur <3-Freundin, fahre zur neuen Wohnung und arbeite. Es kam ein klein wenig anders.

Abholen lief noch prima. Leider wollte He-Man aus tiefstem Herzen bitte danke gar nicht bei der Freundin bleiben. Auch nicht mit MiniMi und Freundintochter und auch nicht mit Apfel- und Erdbeerbestechung. Er gab mir zwar eben Abschiedskuss, seufzte bedrückt und stiefelte dann ins Wohnzimmer – aber nur um Sekunden später aufzuheulen und auf dem Absatz kehrt zu machen. Hach, da bricht ja mein Mamaherz ein bisschen.

Dann rief der Mann an, ich solle ihn von der Arbeit holen, er macht früher Feierabend und hilft in der Wohnung. Also He-Man wieder eingepackt und den Mann geholt. Unterwegs ein schluchzendes MiniMi am Telefon: “Ich will wieder nach Hause, Mama“. Also den Mann an der Wohnung abgeworfen und wieder auf den Weg zur Freundin gemacht.

Tatsächlich vergesse ich fast angekommen an der richtigen Kreuzung abzubiegen und gewinne noch eine Ehrenrunde nach dieser anderthalb stündigen Tour de Bochum. Endlich stehe ich an der letzten großen Kreuzung, muss nur noch nach rechts ins Wohngebiet abbiegen. Der Verkehr fließt nicht so schnell ab, ich stehe schon auf dem Radweg, sehe im Rückspiegel noch einen Radfahrer kommen und höre Sekunden später auf dem Autoheck “Pong“. Der Radfahrer ist mir geradewegs aufs Auto drauf gefahren.

Glücklicherweise ist nicht viel passiert. Mein Auto hat ne Beule, sein Arm einen blauen Fleck und wir haben uns beide ziemlich erschrocken. Die Polizei hat dann eine halbe Stunde gebraucht, bis sie eintraf. In der Zeit hatte sich unser beider Adrenalinspiegel schon wieder eingepegelt.

Für den Rest des Tages reichte meine Energie dann noch, um einen Kaffee im Garten der Freundin zu trinken und den Kindern Abendbrot vor dem Fernseher zu servieren.

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Ruhe vor dem Sturm

Heute in einer Woche flitze ich vermutlich hektisch durch die neue Wohnung und packe Kisten aus, während der Küchenmonteur meine Küche zusammenschustert.

Im Moment sitze ich allerdings neben He-Man und halte Händchen damit er einschläft. Danach habe ich hoffentlich anderthalb oder zwei Stunden zur Verfügung, in denen ich schon mal weiter packen kann. Am meisten ist da noch im Kinderzimmer zu tun, in dass ich aber wegen schlafendem Kind nicht rein komme. Kleidung, Lebensmittel und Geschirr heut schon einzuräumen macht auch nicht viel Sinn.

Ansonsten muss ich noch Arbeitsplatten für die Küche besorgen und die neue Wohnung putzen. Leider ist meine Mutter krank geworden, so dass ich im Moment Vormittags auf eins, Nachmittags auf zwei Kinder aufpassen muss – die bei dem derzeitigen Wetter natürlich am liebsten auf dem Spielplatz wären.

In die neue Wohnung mitnehmen geht nicht wirklich. Alles steht noch voller Werkzeug, Steckdosen und Fenster sind bislang ungesichert. Terasse und Garten gehen auch nicht ohne Aufsicht. Morgen Nachmittag nimmt die <3-Freundin die Kinder, dann werde ich mich in einen Putzteufel verwandeln müssen, der in zwei Stunden möglichst alle Renovierungsspuren beseitigt.

Am Wochenende ist leider auch noch Tag der offenen Türe im Kindergarten. Da werden wir selbstverständlich hingehen und auch mithelfen.* Zeit dafür haben wir eigentlich nicht, aber irgendwo werden wir sie wohl finden.

Bis dahin versuche ich hier das Schiff auf Kurs zu halten und den Alltag halbwegs Alltag sein zu lassen für die Kinder. Am Horizont türmen sich die Wolken. Mal sehen, ob wir dem Sturm gut umsegeln können, oder ob wir mitten durch müssen.

*(Notsofunnyfact: Außer mir hatte sich bis gestern ein einziges Eltern zum helfen eingetragen und auch der Kuchenlieferplan wies noch große Lücken auf. Die Erzieherin an der Tür musste alle Eltern heute morgen darauf ansprechen. Ich wüsste gerne, welche Ausreden sie zu hören bekam. Ich verwette meinen Hinten, dass am Samstag so gut wie alle erscheinen und den lieben Gott nen guten Mann sein lassen, während die immer gleichen die Arbeit machen)

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Umzug 2015, Teil 4

Endspurt. In acht Tagen steht der Umzugswagen vor der Tür. Die Wände sind geschliffen, tapeziert und gestrichen. Das Bad hat eine neue Decke. Ein paar Fußleisten müssen noch gesetzt und dann alles geputzt werden. Aber es ist ein Ende in Sicht.

Alle Zimmer, bis auf das Esszimmer, haben farbige Akzente erhalten. Das führt zu der lustigen Situation, dass man aus einer Ecke des Flurs alle bunten Wände sehen kann und es ein bisschen aussieht, als würden wir in eine Bonbonfabrik ziehen. Glücklicherweise sieht das nur aus der Flurnische so aus und da wird sich so schnell keiner reinstellen.

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WMDEDGT

“Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?“ fragt Frau Brüllen jeden 5. eines Monats. Und heute antworte ich mal.

Gegen sieben Uhr wird das MiniMi, bereits fiebrig, wach. Mit Wasserflasche und Caillou kann ich sie dazu bewegen, noch etwas liegen zu bleiben. 20 Minuten später erwacht He-Man und wir müssen alle umgehend auf Osternestsuche gehen. Anschließend mache ich Frühstück, das aber keinen Anklang findet. He-Man hat schon ein Ü-Ei verspeist und ist satt. Das kranke MiniMi hat keinen Hunger.

Ich werfe die Kinder und mich in Klamotten, packe unsere sieben Sachen (inklusive Fiebermittel, Roller, Bobby Car und Trallala) und wir fahren zu meinen Eltern. Als wir dort ankommen wirkt beim MiniMi das Ibuprofen. So essen die Kinder dem Opa das Frühstücksbrot weg und jagen dann im Garten Osterkörbe. Ich schaue mit einer Tasse Kaffee zu, wie sie mit Spielzeugrasenmäher und Handkarren umeinander rennen, und plausche in der Sonne mit meiner Tante.

Dann bringe ich He-Man ins Bett, gucke mit dem MiniMi Sendung mit der Maus und kuschele mich mit ihr aufs Sofa. Das Fieber steigt wieder. Sie zittert sich in meinen Armen in einen ganz kurzen Schlaf aus dem sie glühend aufwacht. Ich gebe ihr eine halbe Dosis Ibuprofen, weil sie so unmöglich die nächsten vier Stunden verbringen soll.

Den Besuch beim Chinesen sagen wir ab; mein Vater und Herr Zeitlos holen stattdessen das Essen dort. Pünktlich zu ihrer Rückkehr ist das Fieber gesunken und so kann die ganze Familie zusammen essen. Ich spiele mit den Kindern, bis bei beiden die Laune sinkt. Wir raffen fix unsere Sachen wieder zusammen. Bis wir zu viert im Auto sitzen, sind die Kinder vollkommen aufgelöst und ich muss mich auf der Rückbank zwischen die Kindersitze quetschen.  Noch bevor wir die Autobahn erreichen schlafen sie ein.

Zuhause essen wir ein Mini-Abendessen aus Himbeeren und Reiswaffeln. Ich bringe das zitternde und weinende MiniMi ins Bett – in meines, weil sie das unbedingt will – und singe sie in den Schlaf. He-Man wartet schon bettfertig auf mich. Nach zwei Stunden neben ihm (während er krampfhaft die Augen offen hält und mit Stofftieren und Puppen im Bett spielt), lasse ich ihn allein und gehe die Küche aufräumen. Dreimal setze ich ihn wieder in sein Bett, bevor der Schlaf ihn endlich hinfort trägt. Meine Kraft reicht nur noch mich im Schlafanzug mit Chips aufs Sofa zu werfen. Es läuft StarTrek und das MUSS ich gucken. Das Chaos wartet morgen immer noch.

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Sauber arbeiten am Tapeziertisch

Nach zwei Tagen als Malerazubine habe ich schon so einiges gelernt, was ich als nur halbbelichtete Heimhandwerkerin vorher nicht wusste. Angeleitet vom Profi wird nämlich eines klar: schnell UND sauber gilt es zu arbeiten – fuddeln ist nicht erlaubt! So gibt es zum Beispiel ein paar einfache Kniffe, mit denen man die Tapeten eingekleistert bekommt, ganz ohne den Tisch dabei zu versauen. Und das geht so:

Den Stapel mit den zugeschnittenen Bahnen legt der Kleisterbeauftragte oben rechts bündig an die Tischkanten. Die einzukleisternde obere Bahn zieht er sich dann runter, ein, zwei Millimeter über die untere Kante hinaus. Nun kann die Tapete fröhlich eingekleistert werden: Rechts und unten ist nach der Kante einfach Luft, oben liegt die nächste Tapetenbahn darunter. An der linken Kante darf der Kleisterer einen Zentimeter unbekleistert lassen, da dies das untere Ende der Bahn sein wird. Und voila: Der schöne Tapeziertisch ist sauber geblieben.

So ein trockener, unklebriger Tisch hat den Vorteil, dass man sich nicht die Vorderseiten der anderen Bahnen einschmoddert aus Versehen. Noch dazu kann der kleine Kleisterazubi mal ein Päuschen (aka Rücken wieder gerade biegen und kurz Luftholen) einlegen, ohne dass die Tapete auf den Kleisterresten festbappt.

Zu guter letzt noch ein Tipp vom Profi: die Kleisterquaste nicht an diesem kleinen Häkchen am Stiel nach jeder Bahn an den Eimer friemeln. Einfach einen zweiten, leeren Eimer daneben stellen und die unbenötigte Bürste fröhlich hineinplumsen lassen.

Isch habe fertig.

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