Nicht mit mir, Herr Doktor!

Eigentlich ist ja gerade Sommer: Die Zeit, in der der Hustenbonbonverkauf auf Minimalzahlen schrumpft, weil der Großteil der Menschen einfach pumperlgesund durch die Sonne hüpft. Außer uns. Wir, Familie Zeitlos, haben uns eine fiese Bakterie eingefangen, die die Kinder erst fiebern und dann husten ließ. Herr Zeitlos hustet einfach mit. Und ich? Ich habe das ganze in eine Seitenstrangangina umgebaut. Total schön. Eitriger Hals, Schmerzen rundherum bis in die Ohren und so weiter.

Weil meine Ärztin im Urlaub ist, war ich damit vor zwei Wochen bei ihrer Vertretung bekam ein Antibiotikum aufgeschrieben und war innerhalb eines halben Tages wieder auf dem Damm. Brav wie ich bin habe ich die Packung schön bis zum Schluss genommen, doch am nächsten Tag schon wieder: Kratzen im Hals. Und das wurde jeden Tag mehr, so dass mein Hals sich jetzt fast wieder auf vorantibiotisches Zuschwellniveau hochgearbeitet hat.

Heute also wieder in die Vertretungspraxis, wo aber die letzte Ärztin nicht anwesend war, sondern nur ihr Kollege. Schon beim letzten Besuch waren mir die Schränke mit Globuli über Globuli über Globuli aufgefallen – aber ich hatte ja anstandslos traditionelle Medizin erhalten. Soweit kein Problem also. Der Doktor vorhin fand meinen Hals aber gar nicht so schlimm und wollte mir deshalb was „pflanzliches und homöopathisches“ aufschreiben. Auf meinen Einwand, dass er sich letzteres sparen dürfte (Wer mehr wissen will, darf sich beim Informationsnetzwerk Homöopathie einlesen. Zum Beispiel hier), sagte er, das sei ein „Kombinationspräparat“, das sogar „soviel Wirkstoff enthält, dass die Krankenkasse es bezahlt“. Okeeeeee. Pflanzlich versuche ich gerne, der Rest ist mir egal, dachte ich mir.

In der Apotheke beim Blick auf die Packung dann: Surprise! Bei den Inhaltsstoffen waren nur homöopathische Potenzen gelistet. Der Apotheker hat auf meine Nachfrage auch noch mal alles durchgelesen, aber das Ergebnis war das selbe. Die Packung blieb also dort, und statt dessen habe ich jetzt einen ganzen Haufen Hustenbonbons und ein schönes Halsspray. Schmerzlindernd, entzündungshemmend und garantiert mit Wirkstoffen.

Und an den Vertretungsarzt habe ich nur noch eine einzige Frage: WOLLEN SIE MICH VERARSCHEN, ODER WAS?

Mal was Neues

In der Stadt eine liebe, alte (fast 90!) Bekannte gesehen, die ich fast ein Jahr nicht getroffen hatte. Saß so ganz gemütlich mit dem Rollator in der Fußgängerzone und machte offenbar ein Päuschen. Weil ich ein bisschen Zeit hatte – wir plaudern beide gerne – bin ich zu ihr hin und habe sie begrüßt. Was ich nicht bedacht hatte: Sie hat Narkolepsie. Das äußert sich zum Beispiel darin, dass bei starken Emotionen die Muskelspannung schlagartig verschwindet. Und genau das passierte in diesem Moment. Dass jemand vor Freude fast umfällt, wenn er mich sieht, war mir so auch noch nicht passiert. Ist aber alles gut gegangen.

Home-Office

Herr Zeitlos ist in der glücklichen Lage einen freundlichen und flexiblen Arbeitgeber zu haben, bei dem er sich seine Arbeit ziemlich frei einteilen kann. Und so hat er sich diese Woche entschlossen, drei Tage Home Office zu machen. Klar, als Arbeitnehmer ist das traumhaft: mit Kaffeetässchen und Joggingbuxe gemütlich im Wohnzimmer vorm Rechner sitzen. Und für die Kinder war das natürlich auch knorke, dass nachmittags der Papa da ist und wir zusammen was unternehmen.

Aber lasst mich euch sagen: Als Hausfrau (*örks*) war das nicht so prickelnd. Dienstag musste ich zum Beispiel die ganzen Hinterlassenschaften vom Kindergeburtstag verräumen und Wäsche machen, konnte dabei aber natürlich nicht störend im Wohnzimmer rumwuseln. Gemütlich vorm Fernseher Wäsche falten? – keine gute Idee. Sich bei der Hausarbeit von Jimmy Fallon, John Oliver oder Trevor Noah beschallen lassen? – auch eher suboptimal.

Hinzu kommt, dass ich immer gleich ein schlechtes Gewissen habe, wenn ich mich mal hinsetze und ein Käffchen trinke, während Herr Zeitlos arbeitet. Obwohl er überhaupt nichts sagt, stehe ich für mich unter Zugzwang hier „was geschafft zu kriegen“. Das ist natürlich eigentlich Quark, denn objektiv weiß ich, dass ich in den vergangenen drei Jahren eine Unmenge fast ohne Unterstützung gewuppt, gemacht und getan habe. Solange ich allein zuhause bin, schläft mein schlechtes Gewissen auch ganz gemütlich und lässt mich mal Nägel lackieren, basteln oder nähen, während der Müll danach ruft rausgetragen zu werden. Aber unter Beobachtung ist das was anderes.

Zufälligerweise waren aber diese Woche endlich mal wieder mehrere passende Stellenanzeigen für mich auf dem Markt (nach fast zwei Monaten Durststrecke). Deshalb habe ich mich Mittwoch hingesetzt und den ganzen Vormittag Bewerbungen geschrieben. Vielleicht, mit ein bisschen Glück, kann ich dann bald auch mal wieder ganz legitim in Jogginghose im Home Office sitzen.

 

Ein Kindergeburtstag voller Autos

Vor anderthalb Wochen schon hatte He-Man Geburtstag und eigentlich soll man Feste ja feiern wie sie fallen. Weil wir aber alle von einem fiesen Infekt außer Gefecht gesetzt wurden, mussten wir den Kindergeburtstag verschieben. Vorgestern konnte er endlich stattfinden. Als Thema hatte He-Man sich Cars gewünscht, denn Lightning McQueen und überhaupt alles mit Rädern und Reifen findet er einfach nur toll, toll, toll.

Tisch

Die Deko bestand aus Unmengen roter und weißer Ballons sowie der gesamten Partyausstattung, die der Euro-Discounter hergab: Teller, Becher, Servietten, Cupcake-Piekser, Geburtstagstütchen.

Zu Essen gab es auf vielfachen Wunsch eines einzelnen Herren „Bomboms“ – also eine kleine Schale Haribos – dazu eine Obstplatte (Erdbeeren, Himbeeren und Honigmelone als Blitz gelegt), Oreo-Kekse als Autoreifen und dazu Cupcakes. Da bei der Familienfeier so viel vom Teig der Torte (ich hatte diesen Nussteig von Sallys Tortenwelt ausprobiert- Sehr lecker!) übrig geblieben war, hatte ich diesen in die Muffinbleche verteilt und eingefroren. Vor der Party musste ich sie also nur in den Ofen stellen – 10 Minuten länger als sonst – und schon hatten die Kinder leckere, frische Küchlein. Auto

Wie erwartet war gar kein großes Programm nötig, weil alle einfach schön zusammen gespielt und das Kinderzimmer auseinander genommen haben. Ich hatte als kleines Selbermachgeschenk für jeden ein weißes Matchboxauto besorgt. Das durften alle mit Folienstiften „lackieren“ und danach auf einer großen Papp-Bahn Rennen gegeneinnder fahren.

Leider war das Wetter hier trüb und regnerisch, so dass wir leider den echten Gebursttags-Höhepunkt gar nicht umsetzen konnten: Auf der Terasse hatte ich aus Wannen, Wasser, Schwämmen und Rasierschaum eine Autowaschanlage aufgestellt. Ich denke, das hätte den Kindern viel Spaß gemacht. Aber dafür ist auch noch im nächsten Jahr Zeit.

Gurkenbus

Zum Abschluss gab es die obligatorischen Pommes mit Würstchen und dazu einen Gurkenbus mit Tomaten-Käse-Spießen. Alle Gäste wurden vom glücklichen Geburtstagskind mit einem kleinen Geschenktütchen nach Hause verabschiedet. Ich werte es mal als gutes Zeichen für eine gelungene Feier, dass sie trotzdem eigentlich lieber nicht gehen wollten.

Mitgebsel

Bonus-Content:

Am eigentlichen GeburtsTAG hatten wir mit den Großeltern zuhause gefeiert. Und weil ich so gerne Motivtorten mache, gab es natürlich auch dieses Jahr eine. He-Man hatte keine Ahnung, aber morgens beim Auspacken der Geschenke, zeigte er auf ein großes Paket und fragte „Leidling-Torte?“ Da hat er nachmittags Augen gemacht, als tatsächlich eine Lightning-Torte auf dem Tisch stand. Witzigerweise fahren beide Kinder total auf Motivtorten ab – aber nur des Fondants wegen. Den Kuchen an sich rühren beide nicht mal an. Trotzdem hat sich der ganze Schweiß und die Arbeit gelohnt, weil sie sich einfach beide so sehr gefreut haben.

Torte

Bevormundung

Lange nix von mir hören lassen. Aber in den letzten Tagen hatte ich öfter Begebenheiten und Geschichten im Kopf, die für Instagram oder Twitter nicht angemessen waren: Zu lang, zu kompliziert oder kein Bildmotiv. Einfach übers Knie gebrochen was fotografieren und dann einen megalangen Kommentar unters Bild ist nicht wirklich mein Ding. Und bei 283 Snapchatclips hintereinander verliere ich sowieso den Faden. Da liegt es doch ganz nahe, dem alten Blog mal wieder ein bisschen Leben einzuhauchen.

Als ich vorhin vom Einkaufen nach Hause kam, blinkte das Festnetztelefon mit einer mir unbekannten Telefonnummer. Beim Rückruf stellte sich heraus: Es war der Hausnotruf-Dienstleister meiner ehemaligen Nachbarin (die, die vor einem Jahr gestürzt war). Ich hatte sowas geahnt und nur deshalb so schnell zurück gerufen. Nein, diesmal gab es keinen Notfall, beruhigt mich die Mitarbeiterin. Man wolle nur mal die Anlage testen und deshalb nachfragen, wann die Nachbarin zuhause sei.

Ganz, ganz großes WTF für mich! Es geht hier um eine liebe, äußerst resolute, selbstständige ältere Dame, die manchmal etwas Hilfe benötigt, aber keineswegs dement oder nicht entscheidungsfähig ist. Mal davon abgesehen, dass ich nicht weiß, wann sie zuhause ist, werde ich den Teufel tun und mich in ihre Terminangelegenheiten einmischen. Der Mitarbeiterin habe ich dann auch deutlich gesagt, dass sie Termine am besten gefälligst direkt mit ihren Kunden abspricht. Kann ja wohl nicht wahr sein.

Unbeschränkt

Gerade liege ich im Bett und mein Ellbogen ragt über die Matratze hinaus. “Hoho! Was für Neuigkeiten!“ denken sich jetzt die meisten sarkastisch. Für mich ist das durchaus wichtig.

Heute habe ich neue Matratzenschoner ins Bett gelegt und dabei ganz spontan das Reisebettgitter entfernt, das seit gut zwei Jahren an meiner Schlafseite klemmte. Zuerst hatte dort immer He-Man gelegen, nachdem er zu groß für das winzige Babybay geworden war. Seitdem er mit dem MiniMi in einem Zimmer einschläft, lag dann meist das Kind am Gitter, das als zweites wach wurde und ins Familienbett tapste. Nummer 1 hatte sich dann für gewöhnlich schon den Platz zwischen Mama und Papa gesichert.

In den vergangenen Nächten hat das MiniMi sich aber auch oft zu Herrn Zeitlos an die unbegitterte Bettseite gelegt, was auch problemlos klappte. Ich war also heute mutig und hoffe weiter auf sicheren Nachtschlaf ohne den Fallschutz. Die Aussicht aus dem Bett in demden Flur, so ganz ohne den bisherigen Rahmen und das Gitter vor der Nase, ist auf jeden Fall noch sehr ungewohnt.

Gut versteckt

Essen gehen ist für unsere Kinder nicht so der Hit in Tüten. McDonalds – okay, Foodcourt im Einkaufszentrum – geht gerade noch, aber Restaurant, so richtig mit still sitzen, ist wirklich nicht ihr Ding. Herr Zeitlos und ich gehen hingegen sehr gerne zum Essen aus, genauso wie meine Eltern auch. Als Kompromisslösung gehen wir deshalb ab und an zum mongolischen Buffet: Die Restaurants sind meistens so groß und laut, dass zwei leicht unzufriedene Kleinkinder auch nicht weiter auffallen. Auch für heute Nachmittag war so ein Etablissement vorgesehen.

Für den Vormittag war ein bisschen Aufräumen, Sendung mit der Maus und ein kleines Ründchen an der frischen Luft geplant, bevor es nach einem Snack zum Mittagsschlaf geht. Punkt 1 und 2 haben wir halbwegs geschmeidig über die Bühne gebracht und auch Punkt 3 lief wirklich besser als erwartet: Unterwegs trafen wir einen Kindergartenfreund und während die Kinder sich mit Steinchen, Stöcken und Schlamm bespaßten unterhielten wir Mütter uns, bis uns die Füße eingefroren waren. Das war nach etwa zwei Stunden. Als wir nach Hause kamen, war noch Zeit für Fischstäbchen mit Brötchen und ne Runde Mau-Mau – dann standen schon die Großeltern vor der Türe. Das Thema Mittagsschlaf war damit erledigt.

Gegen 15 Uhr liefen wir also mit zwei noch gut gelaunten, aber doch deutlich müden Kindern im Restaurant auf. Malbücher, Barbies, Autos langten alle nicht wirklich als Zeitvertreib und zwischendurch war nicht mal das Handy als Beschäftigung gefragt. Laufen wollten die Kinder, laufen, laufen, laufen. Nicht die optimale Idee in einem Restaurant, selbst in einem weitläufigen. Kurzfristige Ablenkung brachte der lustige Strohhalm in der Apfelschorle, Krabbenbrot und das Softeis mit Gummibärchen, das ohne Ende zur Verfügung stand.

An einem Punkt ging Herr Zeitlos auf die Toilette. Ich hatte He-Man auf dem Arm, weil er gewickelt werden musste. Das MiniMi flitzte mit lautem „Papa! Papa!“ los, während ich noch die Wickelsachen schnappte. Trotz allem Rufen, stoppte das MiniMi nicht und als ich endlich am Gang mit den Toiletten ankam, sah ich sie nur noch hinter der Tür mit dem Herren-Schild verschwinden. Ich dachte, mein Schwein pfeift! Energisch rief ich sie noch mal und sie kam tatsächlich zurück. Ich beorderte das MiniMi ziemlich streng an den Tisch zu den Großeltern (in der Hoffnung, sie geht tatsächlich dorthin und verläuft sich nicht unterwegs) und versorgte He-Man.

Als ich zurück kam, mupfelte sie ganz zufrieden an einem Krabbenbrotchip, und wie ich noch halb empört meiner Mutter berichte, dass das MiniMi gerade vor mir weg aufs Männerklo gerannt war, schmunzelt die kleine Frechmaus mich mit funkelnden Augen an und sagt: „Mit so einem guten Versteck hattest du nicht gerechnet, Mama, oder?“

 

Frühling

Heute war so ein Tag, da konnte man schon ahnen in welche Richtung das Jahr sich bewegt. Die Sonne schien, die Vögel zwitscherten und im elterlichen Garten knirschte sich allerlei Grünzeug fast hörbar durch die Erde. Für mich ist das jedes Mal ein Erlebnis, von einem Beet zum anderen zu gehen und zu schauen, was schon wächst und was nicht. Die Primeln stehen zum Beispiel schon in voller Pracht, der Bärlauch streckt sich langsam der Sonne entgegen und die Rose zeigt Knospen.

Nicht alles aber wächst so wie es soll. Der Löwenzahn hat sich seit dem Herbst doch zahlreich verbreitet. Vorletztes Jahr hatte der Giersch sich wie eine Plage vermehr, im letzten Jahr waren es die Scheinerdbeeren . Dieses Jahr wollte die Minze sich in dem Rennen um die Weltherrschaft offenbar einen Vorsprung erarbeiten.

Jetzt habe ich nicht so den grünsten aller Daumen, aber meine Eltern sind nicht mehr so furchtbar jung und gesund und ein Garten macht viel Arbeit. Also versuche ich, wenn die Kinder eh im Garten spielen, nach Möglichkeit auch ein bisschen zu werkeln. Heute also: Unkraut jäten. Drei große Eimer voll kamen schon zusammen, obwohl auch die unerwünschten Pflanzen gerade erst angefangen haben zu wachsen.

Der Vormarsch der Minze, die sich ungelogen über gut 5 Meter im Beet verteilt hatte, ist jedenfalls fürs Erste gestoppt. Sollte die Stadt von einer Frühlingshustenwelle ereilt werden, kann leider nur die Hälfte der Bevölkerung mit Tee versorgt werden.

 

11 Fragen

Dong! Autsch! Telesabbie hat mich mit einem Stöckchen beworfen und ich bin echt richtig schlecht im Fangen. Ich habe es aber aufgehoben: 11 Fragen soll ich beantworten und dann 11 Fragen weiterwerfen. Okay. Auffi!

  1. Kochen: Rezeptsklave oder Improvisationstalent?
    Eindeutig Improvisationstalent. Ich lese furchtbar gerne Kochbücher, aber ich koche sehr selten ein Rezept nach und schon mal gar nicht, ohne es anzupassen.
  2. Fernsehen oder streamen?
    Streamen. Mediatheken, YouTube und Amazon Instant Video. Wir haben am Fernsehgerät einen FireTV-Stick und einen Raspberry hängen, deshalb gucken wir nur noch extrem selten klassisches Fernsehen. Große Ausnahme ist aktuell das Dschungelcamp, aber ansonsten benötigen wir den Kabelanschluss nur alle paar Wochen. Im Kalender ist der Kündigungstermin schon fest eingetragen.
  3. Was beschäftigt Dich zur Zeit am meisten? Positiv und negativ!
    Jede Menge. Positiv gerade der anstehende vierte Geburtstag vom MiniMi. Ich organisiere furchtbar gerne Kindergeburtstage und so habe ich gestern erstmal ein kleines Konzept geschrieben, was wir da so machen werden. Ja, ich bin so bescheuert.
    Negativ beschäftigt mich derzeit meine Arbeitslosigkeit und die große Frage, wie wieder einen Job finde.
  4. Was wünschst Du Dir von 2016?
    Ruhe. Ruhe im Geist und in der Seele – etwas mehr von meiner prämaternalen Gelassenheit und meinem unerschütterlichen Optimismus.
  5. Hast Du schon mal irgendwelche Dorgen konsumiert? Würdest Du es wieder tun?
    Außer Alkohol und Zigaretten bislang nichts. Und davon nur Mengen, die als marginal zu betrachten sind. Ich saß mal neben Leuten, die kifften. Und vom Zahnarzt bekam ich nach einer OP mal ein Schmerzmittel, das mich wirklich, wirklich sehr fröhlich stimmte, bevor ich in Heulkrämpfe verfiel. Das war es schon.
  6. Piercing, Tattoo oder anderen permanenten Körperschmuck?
    Drei Ohrlöcher, sonst nix. Wäre ich mutiger, hätte ich ein Watercolortatoo und eventuell einen Nasenring. Bin ich aber nicht.
  7. Was macht die Vorstellung mit Dir, Deinen jetztigen Job bis zur Rente zu machen?
    Das wäre grandios prima, weil ich dann ja einen Job hätte. Wenn also jemand eine PR-Kommunikations-Schreibe-Fachkraft befristet bis 2047 benötigt: her mit dem Vertrag! (Nein, mal ganz ehrlich: Mich hat an meiner Arbeit bislang nur gestört, dass sie überhaupt kein klitzekleines Bisschen zum Wohl der Gesellschaft beiträgt. Aber an sich habe ich immer gerne gearbeitet.)
  8. Frühstückst Du süß oder herzhaft oder und?
    Beides. Ideales Frühstück: Croissant mit Erdbeermarmelade und Brötchen mit Rührei und Bacon.
  9. Welche Jahreszeit hast Du am liebsten?
    Sommer. Sommer. Und nochmal Sommer. Sonne, Wärme, blauer Himmel, kein Regen.
    Disclaimer: Ich liebe es, wenn der erste Schnee fällt – aber den möchte ich nur kurz bei einem romantischen Spaziergang treffen und danach vom Sofa aus im Garten liegen sehen, mit warmem Kakao und gutem Buch in der Hand.
  10. Welche wichtige Person der Geschichte würdest Du gerne mal treffen? Und warum?
    Mir fallen jetzt spontan eine ganze Reihe Menschen ein, die ich nur treffen wollen würde, um ihnen zwischen die Eier zu treten oder ihnen eine Kugel in den Kopf zu jagen. Das ist mir aber zu simpel. Ich stelle mir also vor, jemand kommt zu mir zum Abendessen. Welche Person der Geschichte könnte das sein? Edison fände ich interessant. Janis Joplin, Mandela, Sophie Scholl, Jesus – mir fallen jede Menge Menschen ein. Ganz banal würde ich mich aber mal mit Bertha Benz unterhalten wollen, weil ich ihren Mut und Unternehmergeist bewundere und gerne wüsste, was für eine Person dahinter steckt.
  11. Magst Du Blogstöckchen?
    Joa. Doch doch..

Und jetzt muss ich 11 Fragen stellen? Kann sich ja jeder nehmen, der möchte:

  1. Dschungelcamp: Yay oder Nay?
  2. Welche Social-Media-Plattform findest du furchtbar?
  3. Hast du den Führerschein auf Anhieb geschafft?
  4. Welches Lebensmittel, von dem du denkst, dass es alle anderen mögen, magst du ü.ber.haupt nicht?
  5. Bist du gläubig? religiös?
  6. Feierst du Karneval und falls ja: Als was bist du verkleidet?
  7. Wo wurdest du geboren?
  8. In wievielen Ordnern hast du deine Unterlagen organisiert?
  9. Gibt es ein Sprichwort, das dich auf die Palme bringt?
  10. Wie hast du Fahrradfahren gelernt?
  11. Wo ist dein Lieblingsort?

BELBA!!!

Wenn andere Menschen He-Man beschreiben, dann fällt erstaunlich oft das Wort „tiefenentspannt“. Er ist so ein Typ Kind, das irgendwie in sich ruht, sich gerne selbst beschäftigt und generell häufig mit der Welt einfach zufrieden scheint. Scheint. Denn im Moment hat He-Man etwas, dass ihn so richtig aus der Bahn wirft. Autonomiephase wäre vermutlich das passende Wort. Die grenzen zu Trotz und Bockigkeit sind allerdings durchaus fließend.

Natürlich: Es war schon ganz schön komfortabel, dass er sich als der Kleine gerne in Trage oder Buggy überall hinschleppen ließ und dabei doch relativ selten Unmut über die Situation äußerte. Das holt er allerdings gerade kräftig nach und das ist für alle Beteiligten extrem unkomfortabel, weil er seinen Willen gerne durch besonders langes und lautes Schreien bekräftigt. Er weiß vor lauter Wut oft gar nicht wohin mit sich. In einer Familie mit vier Menschen kann sich aber leider nicht immer alles nach demjenigen richten, der am lautesten schreit.

Vergangenen Woche wollten wir zum Beispiel zu einer neuen Spielgruppe im Wald gehen. Weil ich ihn nicht mit dem Laufrad fahren lassen wollte (unbekanntes Gelände und Ziel, teile gefrorenen, teils getaute Wege) fing er an zu schreien und wollte auch nicht zu Fuß weitergehen. Das MiniMi und ich wollten allerdings durchaus vorwärts kommen. To cut a long story short: Im Endeffekt musste ich ihn, aus diversen Gründen, am Jackenärmel eine Dreiviertelstunde nach Papa schreiend hinter mir her durch den Wald und zurück zum Wagen schleifen. Die Spielgruppe haben wir nicht gefunden, jedes Eichhörnchen im Wald hat vermutlich seine sieben Sachen gepackt und zum Schluss saßen wir alle unverrichteter Dinge wieder im Auto. Ich war klatschnass geschwitzt und schlimmer am Heulen als er.

Zur Autonomiephase gehört natürlich auch, dass er gerne bestimmen möchte, was er tut. Wann immer wir versuchen ihn bei einer Tätigkeit zu unterstützen ruft er lauthals „BELBA!!!“ (Selber). Und natürlich darf er alles was im Rahmen des Möglichen liegt selber machen. Zu gerne möchte er aber auch bestimmen, was er nicht selber macht. Und da gehört alles aus dem mannigfaltigen Bereich der Bekleidung hinzu. Zuhause täuscht He-Man gerne vor, er könne sich kein bisschen alleine anziehen – ja, quasi nicht mal einen einzelnen Strumpf vom Boden anheben.  Ich vermute schon lange, dass das eher Bequemlichkeit ist oder besser gesagt: die Freude daran, ein bisschen betüddelt zu werden. Der Kindergarten hat ähnliches beobachtet: Ist He-Man ohne seine Schwester da oder sie ist einem anderen Raum beschäftigt, kann er sich mit wenig Hilfe gut anziehen. Sobald er aber das MiniMi in der Nähe weiß, setzt er sich gemütlich hin und wartet darauf, bis sie ihn ankleidet. (Beide bestreiten das auf Nachfrage natürlich vehement. Ist klar.)

Schon eine Weile bestehe ich deshalb darauf, dass He-Man beim An- und Ausziehen erst einmal selbst tätig wird und ich ihn auf Anfrage unterstütze. Heute ist dieses Anliegen dann mit seiner Mittagsmüdigkeit und unserer goldenen Heimkehrregel („Schuhe ausziehen, Jacke ausziehen, Hände waschen“) kollidiert. Zuerst hat er eine Viertelstunde geschrien, weil er nicht allein die Schuhe ausziehen wollte: „Kannichnochnich! Kannichgarnich!“ jammerschallte es immerfort aus dem Flur. Aber ich finde, es ist nicht zu viel verlangt, dass er zumindest ansatzweise versucht, den Klettverschluss zu öffnen. Da bin ich dann auch ein bisschen stur. Als er sich endlich überwinden konnte, hatte er sogar einen guten Einfall: Mithilfe des Kinderschuhlöffels hatte er den ersten Schuh bereits komplett abgelegt.

Leider beging ich dann den ultimativen Kardinalsfehler: Aus Freude über seine Initiative unterstütze ich ihn dabei, den zweiten Schuh vom Fuß zu entfernen. Oh je! Den wollte er doch auch „BELBA“ machen! Ich hätte es ahnen können. Und schon wieder ging das Gebrüll los. Meine Ohren klingelten ein bisschen und mein innerer Zen-Meister bereitete schon sein Kündigungsschreiben vor, während He-Man weiter Schreizeterte. Plötzlich stand er in der Küchentür: Da hatte er sich vor lauter Trotzigkeit über meine ungewollte Hilfe beim Ausziehen tatsächlich wieder beide Schuhe angezogen. Alleine. Richtig herum.

Ich übe mich deshalb fürs erste weiter in geduldigem Durchatmen und freue mich ja auch ein bisschen daran, dass er groß und selbstständig wird. Autonomie ist toll und wichtig. Aber He-Man soll bitte morgen früh nicht wieder anfangen was von „Kannichgarnich!“ zu erzählen, wenn es zum Schuhregal geht.