Unbeschränkt

Gerade liege ich im Bett und mein Ellbogen ragt über die Matratze hinaus. “Hoho! Was für Neuigkeiten!“ denken sich jetzt die meisten sarkastisch. Für mich ist das durchaus wichtig.

Heute habe ich neue Matratzenschoner ins Bett gelegt und dabei ganz spontan das Reisebettgitter entfernt, das seit gut zwei Jahren an meiner Schlafseite klemmte. Zuerst hatte dort immer He-Man gelegen, nachdem er zu groß für das winzige Babybay geworden war. Seitdem er mit dem MiniMi in einem Zimmer einschläft, lag dann meist das Kind am Gitter, das als zweites wach wurde und ins Familienbett tapste. Nummer 1 hatte sich dann für gewöhnlich schon den Platz zwischen Mama und Papa gesichert.

In den vergangenen Nächten hat das MiniMi sich aber auch oft zu Herrn Zeitlos an die unbegitterte Bettseite gelegt, was auch problemlos klappte. Ich war also heute mutig und hoffe weiter auf sicheren Nachtschlaf ohne den Fallschutz. Die Aussicht aus dem Bett in demden Flur, so ganz ohne den bisherigen Rahmen und das Gitter vor der Nase, ist auf jeden Fall noch sehr ungewohnt.

Gut versteckt

Essen gehen ist für unsere Kinder nicht so der Hit in Tüten. McDonalds – okay, Foodcourt im Einkaufszentrum – geht gerade noch, aber Restaurant, so richtig mit still sitzen, ist wirklich nicht ihr Ding. Herr Zeitlos und ich gehen hingegen sehr gerne zum Essen aus, genauso wie meine Eltern auch. Als Kompromisslösung gehen wir deshalb ab und an zum mongolischen Buffet: Die Restaurants sind meistens so groß und laut, dass zwei leicht unzufriedene Kleinkinder auch nicht weiter auffallen. Auch für heute Nachmittag war so ein Etablissement vorgesehen.

Für den Vormittag war ein bisschen Aufräumen, Sendung mit der Maus und ein kleines Ründchen an der frischen Luft geplant, bevor es nach einem Snack zum Mittagsschlaf geht. Punkt 1 und 2 haben wir halbwegs geschmeidig über die Bühne gebracht und auch Punkt 3 lief wirklich besser als erwartet: Unterwegs trafen wir einen Kindergartenfreund und während die Kinder sich mit Steinchen, Stöcken und Schlamm bespaßten unterhielten wir Mütter uns, bis uns die Füße eingefroren waren. Das war nach etwa zwei Stunden. Als wir nach Hause kamen, war noch Zeit für Fischstäbchen mit Brötchen und ne Runde Mau-Mau – dann standen schon die Großeltern vor der Türe. Das Thema Mittagsschlaf war damit erledigt.

Gegen 15 Uhr liefen wir also mit zwei noch gut gelaunten, aber doch deutlich müden Kindern im Restaurant auf. Malbücher, Barbies, Autos langten alle nicht wirklich als Zeitvertreib und zwischendurch war nicht mal das Handy als Beschäftigung gefragt. Laufen wollten die Kinder, laufen, laufen, laufen. Nicht die optimale Idee in einem Restaurant, selbst in einem weitläufigen. Kurzfristige Ablenkung brachte der lustige Strohhalm in der Apfelschorle, Krabbenbrot und das Softeis mit Gummibärchen, das ohne Ende zur Verfügung stand.

An einem Punkt ging Herr Zeitlos auf die Toilette. Ich hatte He-Man auf dem Arm, weil er gewickelt werden musste. Das MiniMi flitzte mit lautem „Papa! Papa!“ los, während ich noch die Wickelsachen schnappte. Trotz allem Rufen, stoppte das MiniMi nicht und als ich endlich am Gang mit den Toiletten ankam, sah ich sie nur noch hinter der Tür mit dem Herren-Schild verschwinden. Ich dachte, mein Schwein pfeift! Energisch rief ich sie noch mal und sie kam tatsächlich zurück. Ich beorderte das MiniMi ziemlich streng an den Tisch zu den Großeltern (in der Hoffnung, sie geht tatsächlich dorthin und verläuft sich nicht unterwegs) und versorgte He-Man.

Als ich zurück kam, mupfelte sie ganz zufrieden an einem Krabbenbrotchip, und wie ich noch halb empört meiner Mutter berichte, dass das MiniMi gerade vor mir weg aufs Männerklo gerannt war, schmunzelt die kleine Frechmaus mich mit funkelnden Augen an und sagt: „Mit so einem guten Versteck hattest du nicht gerechnet, Mama, oder?“

 

Frühling

Heute war so ein Tag, da konnte man schon ahnen in welche Richtung das Jahr sich bewegt. Die Sonne schien, die Vögel zwitscherten und im elterlichen Garten knirschte sich allerlei Grünzeug fast hörbar durch die Erde. Für mich ist das jedes Mal ein Erlebnis, von einem Beet zum anderen zu gehen und zu schauen, was schon wächst und was nicht. Die Primeln stehen zum Beispiel schon in voller Pracht, der Bärlauch streckt sich langsam der Sonne entgegen und die Rose zeigt Knospen.

Nicht alles aber wächst so wie es soll. Der Löwenzahn hat sich seit dem Herbst doch zahlreich verbreitet. Vorletztes Jahr hatte der Giersch sich wie eine Plage vermehr, im letzten Jahr waren es die Scheinerdbeeren . Dieses Jahr wollte die Minze sich in dem Rennen um die Weltherrschaft offenbar einen Vorsprung erarbeiten.

Jetzt habe ich nicht so den grünsten aller Daumen, aber meine Eltern sind nicht mehr so furchtbar jung und gesund und ein Garten macht viel Arbeit. Also versuche ich, wenn die Kinder eh im Garten spielen, nach Möglichkeit auch ein bisschen zu werkeln. Heute also: Unkraut jäten. Drei große Eimer voll kamen schon zusammen, obwohl auch die unerwünschten Pflanzen gerade erst angefangen haben zu wachsen.

Der Vormarsch der Minze, die sich ungelogen über gut 5 Meter im Beet verteilt hatte, ist jedenfalls fürs Erste gestoppt. Sollte die Stadt von einer Frühlingshustenwelle ereilt werden, kann leider nur die Hälfte der Bevölkerung mit Tee versorgt werden.

 

11 Fragen

Dong! Autsch! Telesabbie hat mich mit einem Stöckchen beworfen und ich bin echt richtig schlecht im Fangen. Ich habe es aber aufgehoben: 11 Fragen soll ich beantworten und dann 11 Fragen weiterwerfen. Okay. Auffi!

  1. Kochen: Rezeptsklave oder Improvisationstalent?
    Eindeutig Improvisationstalent. Ich lese furchtbar gerne Kochbücher, aber ich koche sehr selten ein Rezept nach und schon mal gar nicht, ohne es anzupassen.
  2. Fernsehen oder streamen?
    Streamen. Mediatheken, YouTube und Amazon Instant Video. Wir haben am Fernsehgerät einen FireTV-Stick und einen Raspberry hängen, deshalb gucken wir nur noch extrem selten klassisches Fernsehen. Große Ausnahme ist aktuell das Dschungelcamp, aber ansonsten benötigen wir den Kabelanschluss nur alle paar Wochen. Im Kalender ist der Kündigungstermin schon fest eingetragen.
  3. Was beschäftigt Dich zur Zeit am meisten? Positiv und negativ!
    Jede Menge. Positiv gerade der anstehende vierte Geburtstag vom MiniMi. Ich organisiere furchtbar gerne Kindergeburtstage und so habe ich gestern erstmal ein kleines Konzept geschrieben, was wir da so machen werden. Ja, ich bin so bescheuert.
    Negativ beschäftigt mich derzeit meine Arbeitslosigkeit und die große Frage, wie wieder einen Job finde.
  4. Was wünschst Du Dir von 2016?
    Ruhe. Ruhe im Geist und in der Seele – etwas mehr von meiner prämaternalen Gelassenheit und meinem unerschütterlichen Optimismus.
  5. Hast Du schon mal irgendwelche Dorgen konsumiert? Würdest Du es wieder tun?
    Außer Alkohol und Zigaretten bislang nichts. Und davon nur Mengen, die als marginal zu betrachten sind. Ich saß mal neben Leuten, die kifften. Und vom Zahnarzt bekam ich nach einer OP mal ein Schmerzmittel, das mich wirklich, wirklich sehr fröhlich stimmte, bevor ich in Heulkrämpfe verfiel. Das war es schon.
  6. Piercing, Tattoo oder anderen permanenten Körperschmuck?
    Drei Ohrlöcher, sonst nix. Wäre ich mutiger, hätte ich ein Watercolortatoo und eventuell einen Nasenring. Bin ich aber nicht.
  7. Was macht die Vorstellung mit Dir, Deinen jetztigen Job bis zur Rente zu machen?
    Das wäre grandios prima, weil ich dann ja einen Job hätte. Wenn also jemand eine PR-Kommunikations-Schreibe-Fachkraft befristet bis 2047 benötigt: her mit dem Vertrag! (Nein, mal ganz ehrlich: Mich hat an meiner Arbeit bislang nur gestört, dass sie überhaupt kein klitzekleines Bisschen zum Wohl der Gesellschaft beiträgt. Aber an sich habe ich immer gerne gearbeitet.)
  8. Frühstückst Du süß oder herzhaft oder und?
    Beides. Ideales Frühstück: Croissant mit Erdbeermarmelade und Brötchen mit Rührei und Bacon.
  9. Welche Jahreszeit hast Du am liebsten?
    Sommer. Sommer. Und nochmal Sommer. Sonne, Wärme, blauer Himmel, kein Regen.
    Disclaimer: Ich liebe es, wenn der erste Schnee fällt – aber den möchte ich nur kurz bei einem romantischen Spaziergang treffen und danach vom Sofa aus im Garten liegen sehen, mit warmem Kakao und gutem Buch in der Hand.
  10. Welche wichtige Person der Geschichte würdest Du gerne mal treffen? Und warum?
    Mir fallen jetzt spontan eine ganze Reihe Menschen ein, die ich nur treffen wollen würde, um ihnen zwischen die Eier zu treten oder ihnen eine Kugel in den Kopf zu jagen. Das ist mir aber zu simpel. Ich stelle mir also vor, jemand kommt zu mir zum Abendessen. Welche Person der Geschichte könnte das sein? Edison fände ich interessant. Janis Joplin, Mandela, Sophie Scholl, Jesus – mir fallen jede Menge Menschen ein. Ganz banal würde ich mich aber mal mit Bertha Benz unterhalten wollen, weil ich ihren Mut und Unternehmergeist bewundere und gerne wüsste, was für eine Person dahinter steckt.
  11. Magst Du Blogstöckchen?
    Joa. Doch doch..

Und jetzt muss ich 11 Fragen stellen? Kann sich ja jeder nehmen, der möchte:

  1. Dschungelcamp: Yay oder Nay?
  2. Welche Social-Media-Plattform findest du furchtbar?
  3. Hast du den Führerschein auf Anhieb geschafft?
  4. Welches Lebensmittel, von dem du denkst, dass es alle anderen mögen, magst du ü.ber.haupt nicht?
  5. Bist du gläubig? religiös?
  6. Feierst du Karneval und falls ja: Als was bist du verkleidet?
  7. Wo wurdest du geboren?
  8. In wievielen Ordnern hast du deine Unterlagen organisiert?
  9. Gibt es ein Sprichwort, das dich auf die Palme bringt?
  10. Wie hast du Fahrradfahren gelernt?
  11. Wo ist dein Lieblingsort?

BELBA!!!

Wenn andere Menschen He-Man beschreiben, dann fällt erstaunlich oft das Wort „tiefenentspannt“. Er ist so ein Typ Kind, das irgendwie in sich ruht, sich gerne selbst beschäftigt und generell häufig mit der Welt einfach zufrieden scheint. Scheint. Denn im Moment hat He-Man etwas, dass ihn so richtig aus der Bahn wirft. Autonomiephase wäre vermutlich das passende Wort. Die grenzen zu Trotz und Bockigkeit sind allerdings durchaus fließend.

Natürlich: Es war schon ganz schön komfortabel, dass er sich als der Kleine gerne in Trage oder Buggy überall hinschleppen ließ und dabei doch relativ selten Unmut über die Situation äußerte. Das holt er allerdings gerade kräftig nach und das ist für alle Beteiligten extrem unkomfortabel, weil er seinen Willen gerne durch besonders langes und lautes Schreien bekräftigt. Er weiß vor lauter Wut oft gar nicht wohin mit sich. In einer Familie mit vier Menschen kann sich aber leider nicht immer alles nach demjenigen richten, der am lautesten schreit.

Vergangenen Woche wollten wir zum Beispiel zu einer neuen Spielgruppe im Wald gehen. Weil ich ihn nicht mit dem Laufrad fahren lassen wollte (unbekanntes Gelände und Ziel, teile gefrorenen, teils getaute Wege) fing er an zu schreien und wollte auch nicht zu Fuß weitergehen. Das MiniMi und ich wollten allerdings durchaus vorwärts kommen. To cut a long story short: Im Endeffekt musste ich ihn, aus diversen Gründen, am Jackenärmel eine Dreiviertelstunde nach Papa schreiend hinter mir her durch den Wald und zurück zum Wagen schleifen. Die Spielgruppe haben wir nicht gefunden, jedes Eichhörnchen im Wald hat vermutlich seine sieben Sachen gepackt und zum Schluss saßen wir alle unverrichteter Dinge wieder im Auto. Ich war klatschnass geschwitzt und schlimmer am Heulen als er.

Zur Autonomiephase gehört natürlich auch, dass er gerne bestimmen möchte, was er tut. Wann immer wir versuchen ihn bei einer Tätigkeit zu unterstützen ruft er lauthals „BELBA!!!“ (Selber). Und natürlich darf er alles was im Rahmen des Möglichen liegt selber machen. Zu gerne möchte er aber auch bestimmen, was er nicht selber macht. Und da gehört alles aus dem mannigfaltigen Bereich der Bekleidung hinzu. Zuhause täuscht He-Man gerne vor, er könne sich kein bisschen alleine anziehen – ja, quasi nicht mal einen einzelnen Strumpf vom Boden anheben.  Ich vermute schon lange, dass das eher Bequemlichkeit ist oder besser gesagt: die Freude daran, ein bisschen betüddelt zu werden. Der Kindergarten hat ähnliches beobachtet: Ist He-Man ohne seine Schwester da oder sie ist einem anderen Raum beschäftigt, kann er sich mit wenig Hilfe gut anziehen. Sobald er aber das MiniMi in der Nähe weiß, setzt er sich gemütlich hin und wartet darauf, bis sie ihn ankleidet. (Beide bestreiten das auf Nachfrage natürlich vehement. Ist klar.)

Schon eine Weile bestehe ich deshalb darauf, dass He-Man beim An- und Ausziehen erst einmal selbst tätig wird und ich ihn auf Anfrage unterstütze. Heute ist dieses Anliegen dann mit seiner Mittagsmüdigkeit und unserer goldenen Heimkehrregel („Schuhe ausziehen, Jacke ausziehen, Hände waschen“) kollidiert. Zuerst hat er eine Viertelstunde geschrien, weil er nicht allein die Schuhe ausziehen wollte: „Kannichnochnich! Kannichgarnich!“ jammerschallte es immerfort aus dem Flur. Aber ich finde, es ist nicht zu viel verlangt, dass er zumindest ansatzweise versucht, den Klettverschluss zu öffnen. Da bin ich dann auch ein bisschen stur. Als er sich endlich überwinden konnte, hatte er sogar einen guten Einfall: Mithilfe des Kinderschuhlöffels hatte er den ersten Schuh bereits komplett abgelegt.

Leider beging ich dann den ultimativen Kardinalsfehler: Aus Freude über seine Initiative unterstütze ich ihn dabei, den zweiten Schuh vom Fuß zu entfernen. Oh je! Den wollte er doch auch „BELBA“ machen! Ich hätte es ahnen können. Und schon wieder ging das Gebrüll los. Meine Ohren klingelten ein bisschen und mein innerer Zen-Meister bereitete schon sein Kündigungsschreiben vor, während He-Man weiter Schreizeterte. Plötzlich stand er in der Küchentür: Da hatte er sich vor lauter Trotzigkeit über meine ungewollte Hilfe beim Ausziehen tatsächlich wieder beide Schuhe angezogen. Alleine. Richtig herum.

Ich übe mich deshalb fürs erste weiter in geduldigem Durchatmen und freue mich ja auch ein bisschen daran, dass er groß und selbstständig wird. Autonomie ist toll und wichtig. Aber He-Man soll bitte morgen früh nicht wieder anfangen was von „Kannichgarnich!“ zu erzählen, wenn es zum Schuhregal geht.

#andsoitbegins – 13/2016

Erschreckende Nachrichten machen die Runde: Flüchtlinge dürfen nicht mehr ins Schwimmbad, Bürgerwehren gründen sich, die Leute decken sich mit Pfefferspray ein und beantragen vermehrt Waffenscheine. Seit Wochen bilden diese Schlagzeilen ein so großes WTF? in meinem Kopf, dass ich vor lauter Entsetzen keine Tagesschau oder ähnliches mehr gucken kann.

Es wird Ärger geben. Ganz sicher wird es Ärger geben. Seien wir ehrlich: Die menschliche Geschichte ist eine einzige Aneinanderreihung von Konflikten. Dass wir hier seit Jahrzehnten in Ruhe und Frieden leben, ist so außergewöhnlich, wie der vorhergehende Krieg unvorstellbar grausam und schrecklich war. Seit ich 12 bin lebe ich eigentlich in konstanter Erwartung, dass es Krieg geben wird. Als am 11. September das zweite Flugzeug auf das World Trade Center aufschlug, sah ich vor meinem inneren Auge, wie sich George W. Bush im Weißen Haus einen runterholte, vor Freude endlich einen Vorwand zu haben, einen Krieg anzuzetteln.

In jugendlicher Leidenschaft habe ich mich jahrelang entrüstet: Warum hat niemand verhindert, dass Hitler an die Macht kam? Ich habe mich gefragt, warum offenbar alle zugesehen haben, bis es schließlich zu spät war. Jetzt weiß ich, dass das Leben einen in Beschlag nehmen und lähmen kann, während sich die Welt um einen herum unaufhaltsam auf den Abgrund zu bewegt. Die Zeichen verdichten sich, dass die Ruhe (die für weite Teile der Welt freilich nie eine Selbstverständlichkeit war) in Europa ein Ende findet. Ich bin dankbar, 35 Jahre in Frieden gelebt zu haben. Ich bin traurig, dass meinen Kinder dieses Glück wohl nicht beschieden sein wird. Ich habe Angst, weil ich nicht weiß, wie ich das verhindern soll. Was bleibt, ist die Möglichkeit im Alltag aufrecht, ehrlich und menschlich zu bleiben und die kleine Hoffnung, dass möglichst viele andere das auch tun. #andsoitbegins

 

 

 

12/2016

(Gestern hab ich geschludert. Mea culpa.)

Große Ereignisse heute im Hause Zeitlos: Die Schnullerfee war da!
Seit Wochen schon versuchen wir He-Man den Austausch der Schnuller gegen ein tolles Geschenk schmackhaft zu machen. Das Playmobil Müllauto sollte es sein. Das hatte ich schon vorsorglich irgendwann im Angebot gekauft und gebunkert. Bei der Erwähnung bekam er jedes Mal glänzende Augen, aber seinen geliebten Lulla abgeben? Auf gar keinen Fall.

Leider ist He-Man aber ein echter Schnullerjunkie geworden in letzter Zeit. Als Stillkind hat er so gut wie gar nicht geschnullert. Seit dem Abstillen hat das immer weiter zugenommen bis er in den letzten Monaten den Sauger am liebsten rund um die Uhr im Mund gehabt hätte. Im ersten Schritt hatten wir versucht, dass der Schnuller tagsüber im Bett (oder im Schrank außer Reichweite) bleiben muss. Das hat nur so mittelprächtig geklappt. Erstens waren wir als Eltern doch immer versucht Ausnahmen zu machen (Krankheit, besondere Müdigkeit usw.), zweitens uferte das Herzeleid um den „Lulla“ regelrecht aus. Jedes Mal, wenn er ihn haben wollte, gab es Tränen, Wutausbrüche, Geschrei. Mehrmals täglich. Zudem sieht man seinen Zähnen schon an, dass er ein Dauernuckler ist: Er schnullert nämlich nicht nur zum Einschlafen, sondern hält den Sauger meist die ganze Nacht im Mund.

Heute Nachmittag lag der Schnuller im Bett, wo er hingehört, als He-Man anfing danach zu suchen – aber nicht im Bett schaute. Schnell schnappte ich mir den Nuckel unbeobachtet und legte ihn in den Schrank hoch, bevor er ihn finden konnte. Er suchte und suchte weiter. Auf einmal rief das MiniMi: „He-Man, vielleicht hat ihn die Schnullerfee mitgenommen!“ Der kleine Bruder war bass erstaunt. Ich hakte nach: „Hast du sie denn gesehen?“ Hatte das MiniMi nicht, aber He-Man nahm das zum Anlass nun in der ganzen Wohnung nach der Schnullerfee zu suchen. Ich schlug vor, er könne ja mal an der Balkontür schauen. Noch dachte ich mir nichts dabei. Eine Schnullerfee, die man nicht sieht, muss ja nicht da gewesen sein.

He-Man schnappte sich sein Fernglas und hielt weiter Ausschau. Auch im Kinderzimmer kletterte er auf die Fensterbank zum Gucken. Mit einem resoluten „Gib mal her!“ übernahm das MiniMi irgendwann den Kinder-Feldstecher. Sie blickte hindurch und verkündete: „Da! Dahinten hab ich gerade die Schnullerfee gesehen! Die ist mit deinem Schnuller über den Lidl-Parkplatz geflogen!“

Kurz war ich hin- und hergerissen: Go with the flow oder behaupten, da wäre nix gewesen. Ich beschloss, die Gelegenheit beim Schopf zu packen. Nach einem kurzen Austausch mit Herrn Zeitlos per WhatsApp, schnell die Kinder in die Wanne gepackt. Und als He-Man anschließend seinen Schlafanzug aus dem Bett holen wollte, lag da das Geschenk mit Brief von der Schnullerfee. Er hat sich gefreut wie ein Schneekönig. Die genauen Worte waren übrigens: „Boah. Wow.“

Natürlich war das Zubettgehen nicht so einfach anschließend. Seine unendliche Trauer konnte He-Man sehr gut verbergen hinter einer „Kein Schnuller, kein Schlaf. Party on!“-Attitüde. Damit hat er seine Schwester wachgehalten und mich zur Weißglut getrieben, um dann nach Schlafbegleitung durch Papa zu verlangen – und nochmal alle Partyregister zu ziehen. Irgendwann hat er sich doch in den Arm nehmen lassen und ist eingeschlummert (Das MiniMi war in der Zwischenzeit schon über ihrem Ich-warte-bis-mein-Bruder-nicht-mehr-nervt-Buch weggedöst).

Morgen wird vermutlich die Müllabfuhr stolz zum Spielzeugtag getragen. Und dann bin ich mal auf den nächsten Abend gespannt. Wir sind jetzt offiziell ein schnullerfreier Haushalt (inoffiziell suche ich noch nach einem Nuckel, der irgendwo verschwunden ist und den ich dringend vor den Kindern finden sollte).

11/2016

Heute war Waschtag. Das ist genau das wonach es klingt: Ich, bzw. unsere Waschmaschine, wäscht die gesamte Wäsche der Familie in einem Rutsch hintereinander weg.

Wäsche ist so eine Aufgabe im Haushalt, die ich hasse. Die Wäsche zur Waschmaschine bringen ist nicht das Problem. Aber das Aufhängen und noch viel schlimmer: das Falten. Wäschefalten ist derzeit meine absolute Anti-Lieblingshaushaltstätigkeit, einfach weil es scheinbar nie ein Ende nimmt. Und fang mir jetzt keiner mit Bügeln an. Das tue ich nur im absoluten Notfall. Hier fallen bis zu sieben Maschinen Wäsche pro Woche an. Da wird nix gebügelt. Nix.

Dieser ewige abendliche Kreislauf aus Wäsche anstellen, aufhängen, eine andere abhängen und falten ging mir unfassbar auf den Senkel. Oft genug war ich auch zu faul, um alles zum Wäscheboden zu schleppen. Und so wanderte in manchen Wochen die komplette Wäsche von der Waschmaschine direkt in Trockner. Bis eine Freundin im Gespräch das Konzept “Waschtag“ in die Runde warf. Zuerst dachte ich, das klappt nie im Leben, aber mit ein bisschen durchdenken funktioniert es gut.(Ausgenommen davon ist natürlich Pipikotzkakawäsche, die umgehend gewaschen werden muss.)

Auf dem Dachboden ist Platz, um gut 3 Ladungen Wäsche zu hängen. Meine Waschmaschine fasst 5 Kilo. Der Trockner kann je nach Programm bis zu 8 Kilo bewältigen. So sortiere ich am Abend vorher die Wäsche durch und sortiere, was von welcher Fuhre gehängt wird. So läuft der Trockner meist einmal mit einer großen Ladung Handtücher und Unterwäsche und ein- oder zweimal mit einer kleineren, in der sich Textilien mit Mischgewebe befinden.

Heute habe ich nur einmal den Trockner bemühen müssen, weil erstaunlicherweise in dieser Woche nur vier Maschinen Wäsche angefallen sind. (Wohooo! Kleine Freuden im Hausfrauenalltag)vVielleicht sind das die ersten Vorboten der wunderbaren Phase zwischen “Die Kleinkinder brauchen mehrere Outfits am Tag, weil sie ständig schmutzig sind“ und “Die Teenagerkinder wechseln ständig die sauberen Outfits und schmeißen alles auf den Boden, bis es wirklich dreckig ist“*? Ich lasse mich überraschen. Fürs erste freue ich mich mal, dass mein Verhältnis zur Schmutzwäsche sich leicht entspannt hat.

Fazit: Waschtag ftw!

 

*natürlich Stilmittel der Übertreibung. Sollten meine Kinder sich solch blödsinnigen Faulheiten einfallen lassen, dürfen sie gerne von Stund an im Adamskostüm herumlaufen.

10/2016

Seit Wochen zerbreche ich mir den Kopf, wer wohl mit mir in den neuen Star Wars gehen würde. Alle weiblichen Bekannten möchten nicht. Herr Zeitlos hat ihn schon gesehen, würde ihn aber nochmal schauen – was ohne Babysitter nicht geht.

Am Sonntag waren wir bei meinen Eltern und da sagt mein Vater plötzlich “Also, Star Wars wollte ich eigentlich gucken.“ Meine Mutter findet allerdings alles mit Science Fiction oder überhaupt einem Hauch Fantasie ganz furchtbar. Jetzt habe ich für Samstag ein Kino-Date mit meinem Papa.

Wir waren bestimmt schon 15 oder 16 Jahre nicht mehr im Kino. Ich erinnere mich, mal mit ihm einen Teil von Herr der Ringe geschaut zu haben an Silvester, gemeinsam mit Herrn Zeitlos. Ansonsten war ich, glaube ich, überhaupt noch nie mit ihm im Kino. Als ich klein war, ging meine Mama mit mir und später habe ich natürlich mit Freundinnen mein Taschengeld im Kino verbraten.

Samstag also Star Wars mit meinem coolen Papa, der mit fast 75 Jahren nicht nur Harley-Davidson fährt sondern offenbar auch gerne mal die neusten Blockbuster schaut.