Herzmoment

Schon vor ein paar Tagen hatte das MiniMi erzählt, im Kindergarten wären Fotos gemacht worden und sie sollte dazu sagen, was ich gerne mache. Ich dachte, das hängt bestimmt irgendwie mit dem Weihnachtsgeschenk zusammen.

Heute war dann Gruppennachmittag und statt einer Vorstellungsrunde hatte die Gruppenleiterin etwas ganz besonderes vorbereitet: Videos, in denen die Kinder ihre Eltern beschrieben.  Das gab natürlich jede Menge “Ahhh“ und “Ohhh“ und viel Gelächter. Ein Kind antwortete bei allen Fragen, was Mama/Papa/Bruder am liebsten täten, mit “Spielen!“. Und ein Kind erwiderte “Das kann ich noch nicht so genau sagen“, als es um das Aussehen der Eltern ging. Die Fragen wurden dabei übrigens immer von anderen Kindern gestellt, die sehr souverän als Juniorinterviewer auftraten.

Das MiniMi gab Auskunft zu mir. Angeblich habe ich schwarze Haare und bin klein (Nur eins davon stimmt). Außerdem “macht Mama gerne lustige Sachen und näht gerne.“ <345

Der Vortex und wir

Viele Eltern kennen das: Kommt der Herbst, kommt die Bronchitis. Und die Saison kann lang sein, gerne mal von September bis Mai keuchen die Kinder Tag und Nacht durch. He-Man geht es genauso. Einfachen Schnupfen kennt er nicht – sobald die Nase läuft, wandert der Infekt in die Bronchien (und auch in die Ohren, aber das ist wieder ein anderes Thema). Unser treuer Begleiter ist schon den dritten Winter das Vortex-Inhalationsgerät mit Salbutamol (und wenn es ganz schlimm ist auch mal Kortison.) Dabei bekommt das Kind eine Maske aufs Gesicht gesetzt; das Aerosolspray verteilt sich auf Druck in einer Kammer, aus der das Kind dann die Luft und den Wirkstoff abatmet. Das geht ganz fix, bei uns lautet die Anweisung auf zehn Atemzüge.

Nun ist das als Baby und Kleinkind natürlich total doof, so eine Atemmaske ins Gesicht gedrückt zu bekommen – egal wie kurz. He-Man macht das aber immer super mit, schon von Anfang an. Ich möchte kurz erzählen, wie wir das hinbekommen haben.

Mit dem Unbekannten bekannt machen
Zuerst einmal musste ich mir das Inhalationsgerät selbst mal genau anschauen: Wie gehört das zusammen? Wie funktionieren die einzelnen Teile?  Das habe ich mit He-Man zusammen gemacht, ihm die Atemmaske zum Spielen gegeben, sie mal vor mein, mal vor sein Gesicht gehalten, gemeinsam durch die Röhre geschaut usw.  Zumindest wussten wir beide dann schon mal, womit wir es zu tun hatten.

Der Erklärbär
Ich bin ein großer Fan von Erklärungen, auch schon für ganz kleine Babys. Vor Untersuchungen, Impfungen, sogar beim Wickeln: einfach mal kurz und knapp sagen was passiert, damit das Kind nicht überrumpelt wird. So habe ich das sehr lange beim Inhalieren gemacht, in ganz einfachen Worten: “Du bist krank und bekommst schlecht Luft. Dieses Spray hilft dir beim Armen. Ich setze gleich die Maske auf dein Gesicht. Dann kommt ein komisches Geräusch ‚Tsch-Tsch‘ und ein Geruch.“

Natürlich fand He-Man das trotzdem oft total kacke auf gut deutsch gesagt und hat beim Inhalieren geschrien. Das ist ja auch sein gutes Recht. Viele medizinische Maßnahmen sind leider unangenehm, aber trotzdem notwendig. Ein einfaches, ruhiges “Du findest das gerade richtig doof. Aber gleich kannst du leichter atmen“ hat mir und He-Man manches Mal geholfen.

Zwischendurch lassen wir auch gerne immer noch mal den Teddy inhalieren. Der Teddy kriegt natürlich auch alle Erklärungen und muss sich anhören, dass er ruhig schreien darf, aber stillhalten soll, und so weiter.

Haltung wahren
Inhalationsgerät aus x aneinandergesteckten Teilen zusammenhalten, Atemmaske auf zappelndem Kind platzieren, Sprayknopf drücken – „Verdammte Hacke, du hast nen Arm zuwenig“, dachte ich mir beim ersten Inhalieren. Mit der Zeit hab ich mir mit He-Man aber eine Haltung zusammengefuchst, bei der zwei Hände vollkommen ausreichen.

Ich setze ihn auf meinen Schoß oder auf den Wickeltisch und greife mit dem rechten Arm ganz um ihn rum. Sein linker Arm verschwindet hinter meinem Rücken und sein rechter wird von meinem Arm gehalten. Sein Kopf lehnt an meiner Schulter. So halte ich mit der rechten Hand die Maske an sein Gesicht, ohne dass sein Kopf immer weiter zurückweichen kann. Die linke Hand kann dann bequem den Knopf drücken und den Inhalator stützen.

Das klingt jetzt ein bisschen nach Schwitzkasten, aber natürlich halte ich ihn nicht so fest, dass er nicht mehr weg kommt. Nur so, dass er sich sicher und ruhig anlehnen kann und nicht aus Versehen der gesamte Inhalator durchs Zimmer segelt.

Ein bisschen Spaß muss sein
Zu guter Letzt ist Inhalieren bei uns immer ein bisschen Zeit für Jux und Dollerei. Es dauert ja auch wirklich nicht lange. Und weil ich He-Man so knackig im Arm halte, unternehme ich dabei schon mal ein wildes Sitztänzchen mit ihm zu ausgedachten Rattata/Lalala/Schubbidu-Melodien. Noch schöner ist es, wenn das MiniMi sich für ihn ein Liedchen ausdenkt. Er liebt ihre kleinen Stehgreif-Songs, in denen immer ein Tier und eine Toilette vorkommen.

Tja, so machen wir das. Die meisten Kniffe funktionieren für uns auch gut bei anderen unangenehmen Pflichtpunkten – von Augentropfen bis Zehennägelschneiden. Was sind denn eure Tricks beim Inhalieren? Oder bei anderen medizinischen Prozeduren, die sich manchmal nicht vermeiden lassen?

 

 

WMDEDGT 11/15

Frau Brüllen fragt auch an diesem fünften im Monat wieder: Was machst du eigentlich den ganzen Tag? kurz WMDEDGT. Was sie so macht und noch ganz viele andere Blogger findest du hier.

Ich stehe um kurz nach sieben auf, suche Anziehsachen für die Kinder raus und bugsiere beide mit etwas Untersützung und gutem Zureden dort hinein. Anschließend springe ich in meine Klamotten und schneide den Kindern Obstteller zum Frühstück. Während sie essen, bereite ich ihre Brotdosen für den Kindergarten und die Lunchbox mit Salat für Herrn Zeitlos vor. Hätte ich gestern tun können, aber da war ich zu faul – selbst schuld.

Mir zieht eine Erkältung im Kopf hoch. Damit ich nicht so aussehe, wie ich mich fühle, werfe ich mir eine handvoll BundB-Creme und andere Kosmetik ins Gesicht. Ab ins Auto und los zum Kindergarten. Anschließend weiter zum Büro des Mannes, der unterwegs noch einen Kollegen aufliest und mitnimmt.

Nachdem beide auf der Arbeit sind, es ist zehn vor neun, habe ich nur noch ein Ziel: nach Hause aufs Sofa. Zuerst lüfte ich und räume das nötigste auf. Die Spielmatratze im Kinderzimmer hat unten ein paar Stockflecken und erhält deshalb eine schnelle Sprühkur mit Bleiche, bevor sie zum Ausdünsten über der Badewanne landet. Danach lege ich mich mit Ingwertee, heißer Zitrone und Wärmekissen hin, schalte Tochwood ein und stehe erst um zwanzig nach zwei wieder auf. Leider hat die Ruhe nicht geholfen. Ich fühle mich noch müder und total matschig.

Schnell den Müll in die Tonnen und den Buggy ins Auto gebracht und dann wieder auf zum Kindergarten. Freundlicherweise funktioniert das Schuhe-und-Jackeanziehen heute vollkommen selbstständig und undramatisch, so dass wir bald wieder im Auto sitzen. Weiter zur Bücherei! Da ich noch ein paar Sachen in der Stadt erledigen will, geben wir nur schnell unsere Bücher und Spiele ab (3 CDs habe ich vergessen und verlängere sie schnell per App).

Vor dem Rathaus stehe ich mir dann ein bisschen die Beine in den Bauch, während die Kinder mal wieder Blätter sammeln. Mit der Aussicht auf Brötchen kann ich beide Richtung Innenstadt lotsen. Das MiniMi fängt sich zwischendurch einen Anpfiff ein, weil sie sich auf der Hauptverkehrsstraße losreißt, um noch ein Blatt aufzuheben. Nach der Bäckerei steuern wir den Rossmann an. Idee steht auch noch auf dem Programm. Die Kinder haben im Eifer des Gefechts ihre Laternenstäbe zerdeppert. Morgen ist Laternenumzug und da brauchen wir wohl dringend neue.

Auf dem Rückweg geraten wir in den Berufsverkehr, das MiniMi schnallt sich mitten auf einer Abbiegespur ab und wir haben etwas Trara, weil sie sich nicht allein anschnallen kann. 50 Meter und zwei Ampeln weiter kann ich anhalten und sie wieder sichern, aber bei sowas bin ich gar nicht amused. Totale Spaßbremse.

Zuhause beschließt He-Man, dass er jetzt etwas Aufmerksamkeit verdient hat und beschießt, nicht mit reinkommen zu wollen und sich draußen auf die dreckige Treppe zu werfen. Ich habe eh alle Hände voll mit Einkäufen, verlagere ihn deshalb nur auf die Treppe IM Haus und lasse ihn dort weitertrotzen. Das MiniMi und ich verräumen Schuhe, Jacken und Tascheninhalt. He-Man möchte weiterhin nicht reinkommen, arbeitet sich aber, solange niemand schaut, Stufe für Stufe hoch. Irgendwann kommt er doch durch die Wohnungstür, wir versöhnen uns beim Schuhe ausziehen und er geht, widerwillig, Hände waschen. Zur Rache schmiert er direkt mal den Spiegel im Bad mit Flüssigseife ein. Nächster Programmpunkt war also gemeinsames Putzen.

Irgendwann dazwischen noch ein fixes Telefonat mit einem Weiterbildungsinstitut in das mich das Arbeitsamt für nächsten Dienstag beordert. Ein Brief lag im Briefkasten, dass ich dort um 14 Uhr zur Informationsveranstaltung erscheinen soll und da wüsste ich schon gerne wie lange die dauert und wann das eigentliche Seminar stattfindet. Ich werde dreimal weiterverbunden, kriege aber dann doch die gesuchten Antworten. (Eine Stunde und dann ab dem 23.11. zwei Wochen jeden Tag 7 Stunden Selbstmarketing für Akademiker. Bin mal gespannt, was man da in ingesamt 70 Stunden lernt.)

Schnell nochmal Obst geschnibbelt (Birne fürs MiniMi und Apfel für He-Man) und die Küche aufgeräumt. Während die Kinder spielen, sortiere ich schon mal die Wäsche für morgen, denn da ist Waschtag. Anschließend mache ich mir einen dringend nötigen Kaffee und helfe den Kindern ihr Zimmer aufzuräumen vor dem Baden. Nachdem sie halbwegs friedlich in der Wanne einweichen, decke ich den Tisch fürs Abendbrot. Kinder abtrocknen, anziehen und letzte vergessene Kleinigkeiten ins Esszimmer bringen.

Zwei störrische Joghurtdeckel öffnen, zwei Eier pellen und  zwei Brötchenhälften schmieren (bzw. dabei unterstützen), bevor ich selbst in mein Brötchen beißen kann. Herr Zeitlos kommt heute später und wir müssen alleine essen. Nachdem wir alle drei satt sind, zünde ich die Kerzen im Raum an, das MiniMi löscht das Licht und wir gucken ganz gemütlich Baumhaus und Sandmännchen in der entsprechenden App.

Endspurt: Zweimal Zähne nachputzen, zweimal hustige Brustkörbe mit Thymian-Myrre-Balsam einschmieren, Meerwassernasenspray und Babix-Tropfen verteilen und dem Papa, der endlich da ist, gute Nacht sagen. Ich lese den Kindern noch ein Bob-der-Baumeister-Buch vor, das das MiniMi heute auf dem Büchereiflohmarkt gefunden hatte, knuddle beide noch ein bisschen und singe dann unser übliches Gute-Nacht-Repertoire, während ich rechts und links von mir Nacken und Köpfe kraule.

Als ich aus dem Kinderzimmer komme, hat Herr Zeitlos netterweise schon das Esszimmer aufgeräumt. Ich werfe die Spülmaschine an und setze mich dann an den Laptop, um diesen Text zu schreiben. Gleich falte ich noch zwei Wäschen und versuche schnell in die Badewanne zu kommen, damit ich nicht weiter Bud Spencer und Terence Hill schauen muss, die der Mann auf die Mattscheibe gerufen hat.

Fin