Gut versteckt

Essen gehen ist für unsere Kinder nicht so der Hit in Tüten. McDonalds – okay, Foodcourt im Einkaufszentrum – geht gerade noch, aber Restaurant, so richtig mit still sitzen, ist wirklich nicht ihr Ding. Herr Zeitlos und ich gehen hingegen sehr gerne zum Essen aus, genauso wie meine Eltern auch. Als Kompromisslösung gehen wir deshalb ab und an zum mongolischen Buffet: Die Restaurants sind meistens so groß und laut, dass zwei leicht unzufriedene Kleinkinder auch nicht weiter auffallen. Auch für heute Nachmittag war so ein Etablissement vorgesehen.

Für den Vormittag war ein bisschen Aufräumen, Sendung mit der Maus und ein kleines Ründchen an der frischen Luft geplant, bevor es nach einem Snack zum Mittagsschlaf geht. Punkt 1 und 2 haben wir halbwegs geschmeidig über die Bühne gebracht und auch Punkt 3 lief wirklich besser als erwartet: Unterwegs trafen wir einen Kindergartenfreund und während die Kinder sich mit Steinchen, Stöcken und Schlamm bespaßten unterhielten wir Mütter uns, bis uns die Füße eingefroren waren. Das war nach etwa zwei Stunden. Als wir nach Hause kamen, war noch Zeit für Fischstäbchen mit Brötchen und ne Runde Mau-Mau – dann standen schon die Großeltern vor der Türe. Das Thema Mittagsschlaf war damit erledigt.

Gegen 15 Uhr liefen wir also mit zwei noch gut gelaunten, aber doch deutlich müden Kindern im Restaurant auf. Malbücher, Barbies, Autos langten alle nicht wirklich als Zeitvertreib und zwischendurch war nicht mal das Handy als Beschäftigung gefragt. Laufen wollten die Kinder, laufen, laufen, laufen. Nicht die optimale Idee in einem Restaurant, selbst in einem weitläufigen. Kurzfristige Ablenkung brachte der lustige Strohhalm in der Apfelschorle, Krabbenbrot und das Softeis mit Gummibärchen, das ohne Ende zur Verfügung stand.

An einem Punkt ging Herr Zeitlos auf die Toilette. Ich hatte He-Man auf dem Arm, weil er gewickelt werden musste. Das MiniMi flitzte mit lautem „Papa! Papa!“ los, während ich noch die Wickelsachen schnappte. Trotz allem Rufen, stoppte das MiniMi nicht und als ich endlich am Gang mit den Toiletten ankam, sah ich sie nur noch hinter der Tür mit dem Herren-Schild verschwinden. Ich dachte, mein Schwein pfeift! Energisch rief ich sie noch mal und sie kam tatsächlich zurück. Ich beorderte das MiniMi ziemlich streng an den Tisch zu den Großeltern (in der Hoffnung, sie geht tatsächlich dorthin und verläuft sich nicht unterwegs) und versorgte He-Man.

Als ich zurück kam, mupfelte sie ganz zufrieden an einem Krabbenbrotchip, und wie ich noch halb empört meiner Mutter berichte, dass das MiniMi gerade vor mir weg aufs Männerklo gerannt war, schmunzelt die kleine Frechmaus mich mit funkelnden Augen an und sagt: „Mit so einem guten Versteck hattest du nicht gerechnet, Mama, oder?“

 

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Frühling

Heute war so ein Tag, da konnte man schon ahnen in welche Richtung das Jahr sich bewegt. Die Sonne schien, die Vögel zwitscherten und im elterlichen Garten knirschte sich allerlei Grünzeug fast hörbar durch die Erde. Für mich ist das jedes Mal ein Erlebnis, von einem Beet zum anderen zu gehen und zu schauen, was schon wächst und was nicht. Die Primeln stehen zum Beispiel schon in voller Pracht, der Bärlauch streckt sich langsam der Sonne entgegen und die Rose zeigt Knospen.

Nicht alles aber wächst so wie es soll. Der Löwenzahn hat sich seit dem Herbst doch zahlreich verbreitet. Vorletztes Jahr hatte der Giersch sich wie eine Plage vermehr, im letzten Jahr waren es die Scheinerdbeeren . Dieses Jahr wollte die Minze sich in dem Rennen um die Weltherrschaft offenbar einen Vorsprung erarbeiten.

Jetzt habe ich nicht so den grünsten aller Daumen, aber meine Eltern sind nicht mehr so furchtbar jung und gesund und ein Garten macht viel Arbeit. Also versuche ich, wenn die Kinder eh im Garten spielen, nach Möglichkeit auch ein bisschen zu werkeln. Heute also: Unkraut jäten. Drei große Eimer voll kamen schon zusammen, obwohl auch die unerwünschten Pflanzen gerade erst angefangen haben zu wachsen.

Der Vormarsch der Minze, die sich ungelogen über gut 5 Meter im Beet verteilt hatte, ist jedenfalls fürs Erste gestoppt. Sollte die Stadt von einer Frühlingshustenwelle ereilt werden, kann leider nur die Hälfte der Bevölkerung mit Tee versorgt werden.