Frohes Fest!

Gibt es eigentlich noch einen anderen Geburtstag, der in der Welt so groß gefeiert wird, wie der von Jesus? Seit vier Wochen bereiten sich Christen in zahlreichen Ländern auf diesen Tag vor. Gerade in diesem Jahr denke ich häufig daran, dass es neben all dem Glitzer, Blinken, Glühwein und Gedudel am 24. Dezember ja eigentlich nicht um Geschenke und leckeres Essen, sondern um eine Geburt geht.
Maria von Nazareth hat an diesem Tag, so will es zumindest die traditionelle Überlieferung, ihr erstes Kind zur Welt gebracht. Ein Kind, das sie angeblich vom heiligen Geist empfangen hat.
Die junge Frau wird also plötzlich und unvorhergesehen schwanger. Aber sie hat das Glück, dass ihr Verlobter die Geschichte mit dem heiligen Geist glaubt und sie trotzdem heiratet. Doch dann muss sie zum Geburtstermin in eine fremde Stadt: in den gut 150 Kilometer entfernten Geburtsort ihres Mannes. Eine weite und beschwerliche Reise für eine hochschwangere Frau.
Zu allem Unglück finden sie keine Unterkunft und ziehen erstmal in einen Stall: Dort ist es wenigstens trocken und warm. Maria bekommt also ihr erstes Kind in Gesellschaft ihres Mannes, eines Ochsen und eines Esels. Ob es ihr ein Trost war, dass sie angeblich den Erlöser der Menschheit zehn Monate im Bauch getragen hat, als die Wehen einsetzen? Oder hat sie mit ihrem Schicksal gehardert, als die Schmerzen immer größer wurden? Hat sie sich gewünscht, ihre Mutter und die Frauen der Nachbarschaft könnten ihr zur Seite stehen, anstatt ihr Ehemann mit den Bauarbeiterhänden? Ich stelle mir vor, dass Maria vorher schon mal bei Geburten dabei war – und sei es bei Ziege, Schaf oder Kuh. Vermutlich hat sie trotzdem Angst gehabt, vor dem was da in ihrem Körper passierte über Stunden und Stunden. Und wie erleichtert sie gewesen sein muss, als der kleine Junge endlich auf der Welt war: gesund und munter, atmend und rosig.
Die meisten Krippendarstellungen zeigen, wie Maria und Josef mit verklärtem, anbetendem Gesichtsausdruck auf den kleinen Messias zwischen sich schauen. Ich denke, dass sie auch so geschaut hätten, wenn es nicht der Sohn Gottes gewesen wäre, der dort lag: Das pure, reine Glück der ersten gemeinsamen Minuten als Familie spiegelt sich in ihren Gesichtern.
Morgen ist es wieder soweit: Dann liegt auch in der Mitte meiner Krippe wieder die kleine Jesus-Figur und wird von ihren Eltern selig angelächelt. Und der Mann und ich werden davor stehen, unsere kleine Maus im Bauch streicheln und uns darauf freuen, auch demnächst diesen Moment erleben zu dürfen.

Ich wünsche Euch allen und Euren Familien da draußen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und alles Glück der Welt für das kommende Jahr!

Götterbote macht Feierabend

Ein Paket ist auf dem Weg zu uns. Oder wie es den ganzen Tag in der Paketverfolgung hieß „Das Paket ist in der Zustellung“. Eben diesen Tag waren der Mann und ich tutto-kompletti zuhause. Kein einziges Klingeln heute, kein Zettel im Briefkasten. Jetzt heißt es online plötzlich „Ein zweiter Zustellversuch wird unternommen“. Da hat der Götterbote wohl heute bisschen viel zu tun gehabt.

Plumps…

…machten die großen Steine, die dem Mann und mir gestern vom Herzen fielen. Ein sehr netter Arzt hat die kleine Maus im Bauch von oben bis unten und von vorne nach hinten ganz gründlich durchgecheckt. Ergebnis (soweit sich das durch Ultraschall sagen lässt): Ein vollkommen gesundes und zeitgerecht entwickeltes Mädchen. Wir waren beide soooo unendlich erleichtert. Das ist das schönste Weihnachtsgeschenk des Jahres!

Herzlichen Dank auch für die lieben Kommentare. Das hat sehr gut getan!

Kleine Kinder, kleine Sorgen…

…sagt der Volksmund – und hat Unrecht. Man kann sich auch über kleine Kinder ganz schön große Sorgen machen.

Das dritte Screening stand heute an, aber es dauerte nicht sehr lange: Die Ärztin vermaß den Kopf, schaute sich den Bauchraum an und begann, der Sprechstundenhilfe Fachchinesisch zu diktieren. In dem Wust kamen die Worte „Retadierung“, „Nieren“ und „Überweisung zur pränatalen Diagnostik“ vor. Mit mir sprach erstmal keiner.

Auf dem Ultraschall-Monitor wurde derweil weiter vermessen: Herz, Plazenta, Gebärmutter-Arterien. In meinem Kopf kreisten derweil die Gedanken, über alles was ich so in Internetforen schon gelesen hatte über gestaute Nieren, über das Kind von Freundesfreunden, das ohne Nieren geboren wurde. Ich nahm mir vor, mir keine Sorgen zu machen, weil bestimmt alles halb so wild ist. Wünschte mir, dass mein Mann da wäre. Merkte, wie mir doch unmerklich eine Träne aus dem rechten Augenwinkel Richtung Ohr rollte. Und dann noch eine. Und trotz aller guten Vorsätze folgte schließlich ein tiefes Schluchzen.

Erst da blickte die Ärztin auf. Und blaffte mich an, dass sie das nur macht, um ihrer Sorgfaltspflicht nachzukommen. Um eine zweite Meinung zu haben. Niedergeschlagen wurde ich ins Wartezimmer geschickt. Ich ging auf die Toilette und heulte noch ein Ründchen. Die Praxis-Hebamme holte mich zum CTG. Sie strich mir tröstend über den Arm, erklärte, dass Kinder halt schonmal kleiner sind. Dass das einfach geklärt werden muss, weil ja sonst immer alles in Ordnung war. Dass ich nicht weinen soll, weil das nicht gut ist für’s Baby.

Mit roten Augen schleiche ich auf die Arbeit und verbringe den Großteil des Tages damit, den Termin für die pränatal Diagnostik zu koordinieren. Meine liebe, liebe eigene Hebamme schafft es, mich zu beruhigen, die Sätze auf der Überweisung verständlich zu machen und mir ein wenig Mut zuzusprechen.

Aber innerlich weine ich weiter. Weil es meiner Maus doch immer gut ging. Weil sie den ganzen Tag so munter strampelt. Und ich weine, weil ich mir selber Vorwürfe mache: Dass ich vielleicht nicht genug trinke. Dass ich die Folsäure-Tabletten nicht konsequent genommen habe. Dass ich nicht gesund gegessen habe. Dass ich doch zuviel Kaffee getrunken habe. Wer weiß.

Der beste aller Männer hält und stützt mich. Er zeigt seinen Kummer nicht. Aber sein plötzlich sehr tiefgehendes Wissen über Nierenkrankheiten zeigt mir, dass auch er den Tag nicht ohne Sorge verbracht hat. Am Dienstag sehen wir weiter.

Es ist offiziell: Meine Mutter hält mich für dumm

Am Freitag wurden die Kindermöbel geliefert. Das Bettchen soll im Schlafzimmer als Beistellbett an unser Bett gebaut werden. Jetzt haben die Möbelmonteure das Bettchen allerdings vorschriftsgemäß und nach Anleitung ganz normal aufgebaut. Natürlich haben Sie dabei das Lattenrost nach oben gebaut – so wie man es eben normalerweise macht für ein Neugeborenes. Der Rost ist aber vierfach vertellbar und lässt sich ganz einfach auf eine Höhe mit unserem Bett bringen.
Die Idee mit dem Beistellbett stößt bislang bei allen außer mir auf vollständiges Unverständnis: geht nicht, wie soll das denn funktionieren, dann fällt das Bett auseinander. Sehr erhebendes Gefühl, dass mich alle für zu blöd halten, um zwei Bretter aneinander zu befestigen. Dem Fass den Boden ausgeschlagen hat aber gerade meine Mutter. Sie rief gerade an, um mir zu erklären, wie gefährlich das ist, wenn ich das Gitter am Bett abnehme: Da kullert das Baby nachher oben raus und fällt dann einfach runter in unser Bett. Danke, Mama, für diesen wertvollen Hinweis. Da wäre ich ja sonst nie drauf gekommen.

„Ich hab Dir gebrannte Mandeln mitgebracht“

„Ich hab Dir gebrannte Mandeln mitgebracht“, sagt der Mann, als ich Abends nach Hause komme. Ich hatte mich mit einer Freundin zum Kaffeetrinken getroffen; Er hatte den Weihnachtsmarkt besucht. Natürlich freue ich mich: Gebrannte Mandeln, mhhhh, lecker! Und wie lieb von ihm, mir welche mitzubringen! Die ersten für dieses Jahr. Mein Blick sucht das Wohnzimmer ab, nach einem kleinen dreieckigen Papiertütchen. Wo liegen die kleinen braunen Köstlichkeiten bloß?
Da holt der Mann tief Luft und setzt einen Dackelblick auf: „Ich hatte Dir Mandeln mitgebracht. Aber du bist so lange weggewesen, dass ich in der Zwischenzeit alle aufgegessen habe.“

„Steigen Sie mal aus…

Es ist was passiert.“ Das ist kein Satz, den man gerne hört, wenn beim Ausparken jemand an die Fahrerscheibe klopft. Der klopfende Herr führte mich dann zu meiner Stoßstange: Die sah aus, als hätte jemand eine 10×10 cm große Adventskalender Türe nach innen eingedrückt – inklusive schöner Kratzer drumherum im braunen Neuwagenlack.
Eine halbe Stunde war ich auf dem Markt. In der Zwischenzeit hatte sich das Auto des Klopfers entschlossen, Handbremse Handbremse sein zu lassen und rückwärts in mein Heck zu rollen. Na ja, kann passieren. Wenigstens hat der Herr gewartet und schonmal die Polizei gerufen (auch wenn uns der kalte Nieselregen dazu gebracht hat, dann schließlich doch einfach nur unsere Daten auszutauschen.) Jetzt hat meine kleine Luzie halt erstmal eine neue Türe im Heck.