Die kleine Raupe Nimmersatt

Eigentlich wollte ich schon lange was zum Thema Stillen/Füttern schreiben, hab das aber immer wieder auf die lange Bank geschoben. Der gestrige Beitrag von Mama Miez und die vielen Kommentare dazu haben mir aber deutlich vor Augen geführt, wieviele Neu-Mamis mit dem Problem zu kämpfen haben. Auch hier war das Trinken von Anfang an kein Zuckerschlecken. Jetzt noch empfinde ich dieses Thema als meine ganz persönliche Achilles-Ferse des Mutterseins.

Das MiniMi hatte bei der Geburt viel Blut geschluckt und hat dementsprechend den ersten Tag nur angeekelt vor sich hingewürgt. Kein Interesse an der Brust zu trinken. Sie wurde auch immer müder und nahm eine wirklich bezaubernde quittegelbe Farbe an. Hebammen und Schwestern (übrigens ein ganz dolle stillfreundliches Krankenhaus!) mühten sich gemeinsam mit mir, das Kind an die Brust zu bekommen. Am Abend des ersten Tages begannen die Schwestern, sich Sorgen zu machen – ich machte sie mir schießlich schon den ganzen Tag. Ich sollte versuchen, ihr nach jedem Stillversuch etwas Tee zu geben. Auch das war nur von geringem erfolg gekrönt. Wir probierten einen Sauger nach dem anderen durch, bis sie sich mal ein paar Milliliter einflößen ließ.

Am zweiten Tag wurde es ein bisschen besser: Sobald das MiniMi auch nur ein klein wenig blinzelte, dockte ich sie sofort an und freute mich über jede Minute, die sie an der Brust blieb – auch wenn sie immer noch sofort wieder einschlief. Am dritten Tag konnte ich Vormittags voller Stolz bei der U2 sagen, dass das Stillen jetzt endlich klappt. Der Bilirubinwert des MiniMi war zwar grenzwertig, aber sie hatte nur 200 Gramm abgenommen.

Wir wurden aus dem Krankenhaus entlassen mit der Maßgabe sofort zurückzukommen, wenn das MiniMi irgendwie schlapper wird als es eh schon war. Schon am ersten Abend ließ sich das MiniMi nicht mal mehr anlegen. Nach einer Stunde rumprobierens, rief ich ganz verzweifelt meine Hebamme an, die nur – ganz pragmatisch – meinte: „Mach ein Fläschchen. Hauptsache du kriegst Essen in das Kind.“ Es war Samstagabend und ich war sehr froh, vorsorglich Fläschchen (Achtung Schleichwerbung: Avent mit Neugeborenem-Sauger) und Milch gekauft zu haben.

(Im Geburtsvorbereitungskurs wurde davon abgeraten und auch in einigen StillbüchernD las ich vorher, dass einen das nur dazu bringen würde vorzeitig aufzugeben. Ich kann nur sagen: Falsch, falsch, falsch! Als wenn man nicht genug belastet wäre, wenn man nach der Entbindung nach Hause kommt. Da muss man sich nicht auch noch damit abplagen, nachts oder am Wochenende in der nächsten Notdienst-Apotheke Nahrung und Flaschen zu besorgen, während das Neugeborene vor Hunger schreit (oder auch schon nicht mehr…). Das ist nicht nur eine Erfahrung, die ich keinen jungen Eltern wünsche. Das ist auch eine Erfahrung an existenzieller Not, die man einem frisch geborenen Baby ersparen sollte. Soweit meine zwei Cent dazu)

Die ersten drei Wochen Stillen mit dem MiniMi waren dann ein einziger Kampf gegen die Gelbsuchts-Müdigkeit. Meist wurde nur eine Seite halbwegs getrunken – und auch nur nach ein paar „Lock“-Zügen an der Flasche. Anscließend gab es ein Ergänzungsfläschen und die andere Seite wurde gepumpt – mit mäßigem Erfolg. Meine Hebamme mache sich nach einigen Tagen ernsthaft Sorgen um das MiniMi und fing an, einen festen Abpump-und-Fütterungsplan für Mama und Papa auszuarbeiten. Der Blick auf die Waage aber zeigte: Das kleine Mädchen hatte sein Geburtsgewicht schon eingeholt. Sie nahm also auch mit unserer intuitiv zusammengestöpselten Fütterungsmethode zu. Eine große Erleichterung für uns!

Von Anfang habe ich jede getrunkene Minute penibelst im Stillprotokoll festgehalten. Es war schön zu sehen, dass es jeden Tag etwas mehr Minuten waren, die wir geschafft haben zu stillen, und etwas weniger Milch war, die wir zufüttern mussten. Teilweise habe ich schießlich bis zu sechs Stunden innerhalb von 24 Stunden gestillt… Und dabei immer schön alle zehn Minuten wechseln, damit das Kind wieder etwas wach wird und beide Seiten gleichmäßig angeregt werden. Uffz.

Ab der dritten Woche wurde es dann besser: Trotz ihres Herzfehlers meisterte das MiniMi das anstrengende Stillen, so dass sie weiter in geringem, aber ausreichendem Rahmen zunahm. Die Abstände zwischen den Mahlzeiten dehnten sich ein klein wenig aus – auf zwei bis manchmal sogar zweieinhalb Stunden tagsüber (Nachts gingen übrigens von Anfang an vier Stunden). Auch unsere Hebamme gab zu, dass sie fast nicht mehr dran geglaubt hatte, dass wir die Kurve noch kriegen würden beim Stillen.

Der zwischenzeitliche Krankenhausaufenthalt hat dann zwar unseren Rhythmus runiniert, aber das Stillen klappte weiterhin recht ordentlich. Ein paar wunderbare Wochen waren das. Mit der Zeit kamen wir mit 20 Minuten Stillen an jeder Seite, alle zweienhalb Stunden aus. Selbst das abendliche Cluster-Feeding bzw. Dauerstillen erledigte sich von selbst.

Mit dem 12-Wochen-Schub, der ja gerade mal drei Wochen her ist, wurde das MiniMi allerdings immer hungriger. Die Mahlzeiten dehnten sich wieder aus, aber das Kind wurde nicht satter. Ich erinnere mich, dass ich an einem Abend 60 Minuten gestillt habe. Weil das MiniMi weiter schrie machte ich ihr eine Flasche mit 170 ml Pre-Nahrung, die sie einfach so wegzuppte. Alle Maßnahmen – Stilltee, Malzbier, kalorienreiches Essen, warme Umschläge, Massage, ständiges Anlegen etc. pp. – nutzten nichts, um die Produktion hochzutreiben.Ich war zutiefst frustriert und zweifelte an mir. Drei beginnende Brustentzündungen in einer Woche zehrten weiter am Selbstbewusstsein. Außerdem hing der Haussegen schief: Herr Zeitlos gefiel es natürlich auch nicht, dass sein kleines Mädchen ständig hungrig war, und kam immer direkt mit der Flasche um die Ecke. Das wiederum machte mich wütend: Ich stillte das Kind schließlich. Wie, wann, was zugefüttert wurde, weil ich mit meinem Körper, meiner Seele und meinem Latein am Ende war, bestimmte immer noch ich.

Wieder suchte ich Rat bei meiner Hebamme. Sie hat mich wieder aufgebaut und war mal wieder herzerfrischend pragmatisch: Zufüttern nach der Stillmahlzeit ist okay. Nach 15 bis 20 Minuten an jeder Seite ist der Löwenanteil der Milch eh weggetrunken. Tatsächlich ist bei mir manchmal schon nach fünf oder zehn Minuten der „Druck aus dem Kessel“. Zum einen habe ich wohl wirklich einfach zu wenig Milch, zum anderen trinkt das Kind wegen des Herzfehlers häufig auch nur mit sehr wenig Schmackes. Sie schläft dann gerne nach drei, vier Minuten ein. Wäre sie ein Staubsauger, litte sie wohl unter „Saugkraftverlust“. Auch ein Wechseln der Stillseite nach jeweils fünf Minuten brachte keine Besserung. Ein sich selbst verstärkender Kreislauf, da die Milchproduktion ja erst durch das Saugen wirklich angeregt wirkt.

Jetzt gibt es tagsüber halt einfach Fläschchen nach dem Stillen. Insgesamt nimmt das Kind sich von der angebotenen Milch so etwa 350 ml am Tag. Seitdem ist das MiniMi geradezu explodiert und hat 800 Gramm in drei Wochen zugenommen, obwohl sie entwässernde Medikamente nimmt (und sich ganz nebenbei in kürzester Zeit aus Kleidergröße 56 einfach durch die 62 hindurch in 68 hineingefressen hat. Die ganzen schönen Sommersachen umsonst gekauft!).

Dass es ihr mit der zusätzlichen Nahrung so gut geht, gibt mir auf einer sehr rationalen Ebene die Gewissheit, dass das so okay ist und das ich richtig gehandelt habe. Im Herzen bleibt aber, so bescheuert das auch ist, immer das Gefühl, als Mutter in diesem Punkt versagt zu haben. Ich bin eigentlich sehr undogmatisch an das Thema rangegangen: Wenn das Stillen klappen würde, wäre es in Ordnung, wenn nicht, dann halt nicht, hatte ich mir vor der Geburt eingeredet.

Meine Mutter erzählte mir schon häufig mit Tränen in der Stimme, dass sie mich gerne gestillt hätte, sie aber in den 1980ern gar keine Hilfe dazu im Krankenhaus bekam und dass sie das bis heute bereut. Ich war stets peinlich berührt und konnte da snicht nachempfinden. Die langen gemeinsamen Stunden mit dem MiniMi in der Sofaecke, der gemeinsame Kampf und die vielen Tränen um jedes Anlegen und jede Stillminute, haben aber doch einen ganz besonders innigen Bindungsweg zum MiniMi geschaffen, der mir beim Fläschengeben einfach fehlt. (Ob er dem MiniMi auch fehlt oder nur mir gefühlsduseligen Alten sei mal dahingestellt.) Das sticht jetzt gerade sehr und das wird es auch noch eine Weile tun. Weil Gefühle sich einfach nicht so schnell durch Logik beeinflussen lassen. Aber wie sagte mein alter Lateinlehrer gerne: Der Zahn der Zeit wir auch über diese Wunde Gras wachsen lassen.

Schallali, Schallala

Die Pjaupe warf hier den Gedanken auf, dass Keine-Lieder-Singen eventuell, vielleicht auf Rabenmuttertum hindeuten könnten. Das MiniMi würde das wahrscheinlich nicht unterschreiben. Ich dudele nämlich den ganzen lieben langen Tag vor mich, ohne dass dies kindlicherseits große Würdigung erfährt. Ein Wunder, dass dem armen Baby nicht schon die Ohren bluten.
Und weil ich erstens meistens nur die erste Strophe von jedem Lied kenne und zweitens immer noch Sprechdurfall habe, singe ich häufig selbst erdachte Nonsens-Lieder vor mich hin. Eines, das mittlerweile drei Strophen hat, entstand auf dem Wickeltisch. Ich möchte es der geneigten Leserschaft natürlich nicht vorenthalten. Jeder kann dass gerne zur eigenen Wunschmelodie singen – falls das aber unwahrscheinlicherweise in den Charts landet hätte ich gerne Tantiemen für den Text:

Du bist die Stinke-Billa.
Du wohnst in einer Villa.
Dort stinkst du vor dich;
es wohnt kein andrer drin.

Du bist die Stinke-Billa.
In deinem kleinen Zimmer,
da müffelt es schon sehr.
Wo holst du das bloß her?

Du bist die Stinke-Billa,
doch du stinkst nicht immer.
Morgens kommt die Mama
und wäscht dich – was ein Hammer.

Blog dein Wissen! Woche #03: Schlafrituale

Thema der Woche #03 „Babyschlaf im 1. Lebensjahr“ von Mama Miez und NONOMO:

Welche Rituale begleiten Eure Babys im 1. Lebensjahr vor und während des Zubettgehens und wie wirken diese sich aus?

Neue Woche, neues Thema bei „Blog dein Wissen!“ von Mama Miez. Diesmal geht es um Schlafrituale.
Wenn ich ehrlich bin, haben wir erst seit etwa zwei Wochen ein wirklich festes Ritual. Vorher hat sich das MiniMi abends gerne dem Cluster-Feeding hingegeben – gerne auch mal von 17 bis 23 Uhr. Irgendwann, so mit dem 12-Wochen-Schub (der von der zehnten bis zur zwölften Woche dauerte…) aber pendelten sich die abendlichen Mahlzeiten ein: Das MiniMi trank nochmal so zwischen 19 und 21 Uhr, schlief bei uns auf dem Sofa ein und wurde auch nicht wach, wenn wir ins Bett gingen. Da dachte ich mir, dass es nun mit einem Abendritual klappen könnte. Wir mussten ein bisschen herumprobieren: Wann welches Lied?, Bringt Mama oder Papa ins Bett?, Stillen vor dem Ritual oder als Teil davon?, usw., usf. Letztendlich hat sich für uns der folgende Ablauf als praktikabel herausgestellt:

Wenn das MiniMi zwischen 19 Uhr und 19:30 Uhr müde wird, gehe ich mit ihr ins Kinderzimmer. Ich ziehe sie aus und wickele sie. Dann ziehe ich ihr den Schlafanzug an und singe dabei „Weißt du wieviel Sternlein stehen?“. Anschließend bekommt sie ihre Medizin und wir sagen dem Papa, der meistens im gleichen Raum am Computer sitzt, „Gute Nacht“. Dann gehen wir ins Schlafzimmer und nehmen auf dem Weg das vorbereitete Fläschen und einen Schnuller aus der Küche mit. Im Schlafzimmer lege ich das MiniMi auf ihren Schlafsack, der schon im Bettchen liegt, und öffne dann kurz das Fenster zum Lüften. In der Zeit „unterhalten“ wir zwei uns noch kurz, bevor ich das Fenster schließe und die Jalousie herunterlasse. Dann ziehe ich selbst schonmal meine Schlafanzughose an und krieche ins Bett – dank Beistellbett komme ich ja sonst nicht ans MiniMi. Während ich sie in den Schlafsack stecke, singe ich „Guten Abend, Gut‘ Nacht“ (Weil da im Text „schlupf unter die Deck“ drin vorkommt, obwohl ich „morgen früh, wenn Gott will, wirst du wieder geweckt“ eigentlich total gruselig finde).
Die letzte Mahlzeit des Tages steht nun an: Zuerst stille ich sie, während ich sie im Arm halte. Das Zufütter-Fläschen* gibt es anschließend liegend im Bett. Heute ist sie dabei schon total erschlagen eingeschlafen. Falls das MiniMi satt ist, bevor sie schläft, bekommt sie ihren Schnuller. Ich streiche ihr dann über den Kopf und singe weiter irgendwelche Lieder vor mich hin (meistens moderne Kirchenlieder, weil das die einzigen sind, bei denen ich als Ex-Messdienerin auch in Strophe zwei noch einigermaßen textsicher bin). Und irgendwann, die Uhr zeigt dann meist zwischen 20 und 20:30, kann ich dann vorsichtig rückwärts aus dem Bett krauchen und den Raum verlassen. Eigentlich ist hiermit das Ritual beendet.
Anfangs musste ich noch relativ häufig ins Schlafzimmer zurückkehren, weil das MiniMi wieder wach war und weinte. Das lag aber dann daran, dass ich vergessen hatte, sie Bäuerchen machen zu lassen, oder dass sie einfach noch nicht satt war (siehe *). Ich glaube, jetzt haben wir uns ein bisschen „eingegroovt“ – bis zum nächsten Schub *g*.

*Anderes Thema, muss ich aber auch unbedingt mal was zu schreiben.

Blog Dein Wissen! Woche #02: Schlafstätte

Die erste Runde von „Blog dein Wissen“ habe ich zwar verpasst, aber da mich das Thema gerade auch umtreibt, schreibe ich gerne was zum Thema Schlafstätte.
Das MiniMi hat eigentlich zwei offiziell als Schlafstätten gedachte Möbelstücke: Meine alte Babywiege, die mein Vater damals für mich gebaut hat, und ein Kinderbett. Das Bett ist Teil der neu angeschafften Kinderzimmermöbel, steht aber bei uns im Schlafzimmer. Wir haben eine Seitenwand gegen die Juniorbett-Umbauseite getauscht und das Bett dann mit Schraubzwingen an unserem Bett befestigt. So haben wir quasi ein Beistellbett Marke „Eigenbau“. Der ursprüngliche Plan sah vor, dass das liebe Kind tagsüber in seiner Wiege schlummert und sich nachts seinen Träumen im Beistellbett hingibt. Soweit die graue Theorie.
Der Alltag ist ein anderer: In der Wiege hat das MiniMi bislang in seinem dreimonatigen Leben insgesamt etwa zehn Minuten geschlafen. Sie ist mittlerweile eher ein „Ich-muss-das-Kind-mal-eben-sicher-ablegen-Ort“ aber keine Schlafstätte mehr.*
Das Kinderbett ist nachts mittlerweile wirklich eine Schlafstätte. Über dem Bett hängt, wegen SIDS, statt einem Himmel eine Art kleines dunkelblaues Sonnensegel, das ich aus dünnem Leinenstoff genäht habe. Außerdem hängt über dem Kopfende eine hübsche handgemachte Lampe, auf der ein Sandmännchen Goldstaub vom Mond pustet (ein Geschenk der Großeltern). Das Bett selbst wird am Fußende, wo das Kind nicht hinreicht, bevölkert von einer Nachtlampe in Form des kleinen, blauen Elefanten, Ersatzschnullis und meinem Handy (als Wecker – schließlich musste ich mein Nachtkästchen aufgeben).
Wenn wir das MiniMi abends ins Bett bringen, schläft sie in ihrem eigenen „Matratzenbereich“. Wenn es kühl ist, im Pucksack auf (und halb in) einem warmen Schlafsack, wenn es wärmer ist, so wie im Moment, in einem dünnen Baumwollschlafsack und mit einer gehäkelten Baumwolldecke. Ich schlafe neben ihr, habe sie im Blick und kann sie – zumindest links – dort im Liegen stillen. Manchmal schlafen wir auch Hand in Hand. Meist nehme ich sie morgens beim Stillen zu mir ins Bett. Sobald die Sonne aufgegangen ist, mag sie nicht mehr alleine schlafen, sondern nur zwischen Mama und Papa. Ich rutsche dann mit meinem Kissen halb in das Beistellbett und lege das MiniMi auf die freigewordene Fläche. Meine Wenigkeit darf dann mit dem Popo und Rücken halb auf der Kante zum Kinderbett, die nur leicht gepolstert ist, platznehmen. Das ist unbequem, verschafft mir aber zwischen zwei und vier Stunden weiteren Schlaf. Da nehme ich Rückenschmerzen gerne in Kauf. Die ersten Wochen schliefen wir so auch fast jede Nacht. Klar hatten wir ein bisschen Bammel, weil man das ja nicht machen soll, und mehr als einmal musste ich Herrn Zeitlos streng schubsen, weil er drohte, sich rückwarts gegen das arme Kind zu rollen, oder das Plumeau auf es zu werfen. Aber ich schlief lieber nur halb und mit einem Auge offen, als gar nicht. Wenn das MiniMi sich ganz verloren fühlte, nahmen Herr Zeitlos oder ich sie häufig auch auf die Brust und schliefen so mit ihr. Das ist aber nur noch nötig, wenn sie sich schwer tut mit dem Atmen (und ist ehrlich gesagt ganz schön unbequem und anstrengend).
Tagsüber ist das mit der Schlafstätte so eine Sache. Zuerst schlief das MiniMi fast durchgehend und egal wo. Dann folgte eine Zeit, in der sie immer beim Stillen einschlief und auch weiterratze, solange sie auf meinem Schoß lag. Leider wurde sie beim Weglegen immer wach (blöder Moro-Reflex). Die einzigen zuverlässigen Schlafstätten waren dann wochenlang Kinderwagen, Tragetuch und MaxiCosi.
Aber auch das hat sich geändert: Seit sie mit ihren großen Kulleraugen die Welt um sich herum aufsaugt, ist das „mobile“ Schlafen wieder schwieriger geworden und Spazierengehen keine Patentlösung mehr für ein langes Schläfchen. Daraufhin hatte ich mir in den Kopf gesetzt, das Kinderbett auch konsequent zur Tages-Schlafstätte zu machen. Das klappte einige Tage ganz gut: MiniMi bei den ersten Müdigkeitszeichen ins Bett bringen, pucken, stillen und dann immer wieder geduldig aus dem Zimmer raus, beim ersten „Bäh!“ wieder rein, streicheln, „schhhhhh“ machen, wieder raus etc. Leider wirft das den kompletten Tagesplan durcheinander, wenn man sich drei bis vier Mal am Tag eine Stunde damit beschäftigt, dem Kind liebevoll beizubringen, dass es keinen Grund gibt fünf Mal hintereinander wieder aufzuwachen. Das Problem wurde dann dadurch verstärkt, dass dem MiniMi der Pucksack jetzt schon zu warm ist und ihre „Wedelärmchen“ sie zusätzlich wach halten.
Seit heute schläft das MiniMi deshalb wieder dort, wo es halt gerade liegt. Das war heute Vormittag der Kinderwagen, heute Mittag die Spieldecke – eingekuschelt ins Stillkissen -, dann mein Schoß und heute Abend der MaxiCosi (in dem sie eigentlich nur kurz sitzen sollte, damit ich beim Kochen die Hände frei habe). Eigentlich fände ich das auch ganz angenehm und praktisch ein Kind zu haben, das immer und überall schlafen kann. Generell schläft sie im Moment aber auch am Tag anscheinen am liebsten mit Körperkontakt zu mir – wo ich liege oder wenn ich sie halte, schläft sie also auch.
Wenn das MiniMi abgestillt ist, soll sie eigentlich inklusive Bett ins Kinderzimmer ziehen. Ich weiß schon jetzt, dass sie mir dann fehlen wird, freue mich aber auch darauf, mal wieder auf meiner rechten Seite zu schlafen, ohne Bettkante unterm Hintern. Aber auch das ist bislang graue Theorie. Wir werden sehen, was die Praxis bringt.

*Worüber übrigens die Oma sehr sauer ist, da sie die Polsterung extra neu bezogen hat. Nach 31 Jahren und zig anderen Kindern, die darin schon geschlafen haben, war das auch dringend nötig, aber die Nicht-Nutzung der Wiege sorgt trotzdem mindestens einmal die Woche für bittere Kommentare.

Zäng ussenanger

Heute morgen gingen Herr Zeitlos und ich einkaufen. Vor dem Supermarkt ein Wahlkampf-Stand der NPD und ein Clown, der um Geld für Zirkustiere bat, was mich schon zu dem Kommentar veranlasste: „Guck mal, gleich zwei Lachnummern aufeinmal.“ – und zwar so dass die… (was schreibe ich, ohne allzu beleidigend zu sein) Menschen am Stand das durchaus hören konnten. Einer davon sah tatsächlich wie ein Halbwüchsiger aus der Hitlerjugend aus, der sich Opas zu großen Anzug geliehen hat. Der wirkt ganz besonders so, als müsste er in den Landtag. Nicht. Als wir den Supermarkt verlassen reicht uns einer der … na, Sie wissen schon… ein Päkchen mit Flyern entgegen. Herr Zeitlos brummt ein aggressives „Näää!“ während ich gleichzeitig betont sage: „Auf. gar. keinen. Fall.“ Überraschend nur, dass der … Mensch… daraufhin überrascht geschaut hat. Ich hoffe, das lässt keine traurigen Rückschlüsse darüber zu, welche Reaktionen die … sonst an diesem Morgen geerntet haben.

Lieblings-Dingens II

Heute gibt es mal ein Lieblings-Dingens von Mama: Der Pucksack. Das MiniMi hat so einen Ganzkörper-Pucksack, bei dem die Arme richtig schön am Körper anliegen, die Beinchen unten aber strampeln können. Das Teil haben wir bestellt nachdem es mit dem Schlafen nicht mehr klappen wollte, als wir letztes Mal aus dem Krankenhaus kamen. Ohne den Sack wedelt sich das MiniMi die ganze Zeit mit den Armen im Gesicht rum oder zuckt aufgrund des bei ihr sehr starken Moro-Reflexes ständig zusammen. An Schlaf ist dann nicht zu denken. Mit Pucksack liegt sie ruhig und findet abends recht zügig in den Schlaf. (Über den Tagschlaf breite ich mal den Mantel des Schweigens *räusper*)
Der derzeitige Sack besteht aus Fleece. Als es noch kälter war, habe ich sie immer noch zusätzlich in ihren Schlafsack gelegt und diesen halb zugezogen. Es zeichnet sich aber ab, dass ihr der Pucksakc langsam zu warm wird. Hier liegt aber noch ein altes, langes T-Shirt von mir. Mit ein paar Klettverschlüssen werde ich das einfach zum Sommer-Pucksack umnähen – und hoffen, dass ihre Wedelärmchen irgendwann mal Ruhe geben.

Bitte, bitte, bitte….

…lass das der 12-Wochen-Schub sein! Das Kind schläft tagsüber nicht freiwillig, sondern brüllt stattdessen vor sich hin, hat ständig Hunger, stillt stundenlang, um danach noch 150 ml aus der Pulle zu nehmen und ich habe schon den dritten Milchstau in einer Woche. Immer links. So’n Kack.