Schonfrist

Heute war der lang erwartete, lang gefürchtete Termin beim Kardiologen. Was soll ich sagen? Es lief einfach prima.
Zum einen war das MiniMi trotz Müdigkeit unfassbar ruhig und gut gelaunt. Nach dem anfänglichen EKG hatte ich ihr mit Babyöl ganz vorsichtig die Aufkleberchen von der Brust gemacht, während Herr Zeitlos das MiniMi einer Rassel ablenkte. Das sorgte zwar für eine beleidigt Krankenschwester, die meinte „Das tut doch eigentlich gar nicht weh!“, verhinderte aber ein furchtbar weinendes Baby – wie wir es beim letzten Mal erlebt hatten, als die etwas …robuste… Schwester, die Pads einfach abgerupft hatte.
Anschließend ging es zum Ultraschall. Da ich noch mal kurz auf die Toilette musste vorher, fand ich bei meiner Rückkehr ein zufriedenes MiniMi auf der Liege vor, das mit ihrem Arzt und drei ebenfalls anwesenden Stundenten flirtete – und das blieb die gesamte Untersuchung so.
Zum anderen brachte die Untersuchung gute Ergebnisse: Das Loch im Herzen wird zwar nicht kleiner, aber das MiniMi verpackt das immer besser. Sie hat im vergangenen Monat ein Kilo zugenommen (und das, obwohl sie nun schon zehn Tage Durchfall hat). Ihre Atmung ist nicht mehr ganz so angestrengt und in ihrer Lunge herrscht kein Hochdruck. Der Gesamteindruck ist so gut, dass wir mit der Operation einen weiteren Monat abwarten können. Augeschoben ist in diesem Fall wohl nicht aufgehoben. Trotzdem freue ich mich, dass das MiniMi wieder vier Wochen fröhlicher Spiel- und Wachszeit gewonnen hat, bevor es ernst wird. Das passende Motto-Shirt für’s MiniMi wartet schon im Kleiderschrank: „I’m growing stronger every day“

Appell: Hebammen sind unersetzlich

Freiberufliche Hebammen betreuen Mütter üblicherweise vor, während und nach der Geburt. Dabei wird die persönliche Betreuung beim „während“ immer seltener: Die Kosten für die Haftpflichtversicherung bei der Geburtsbegleitung sind in den verganenen Jahren exorbitant gestiegen und steigen immer weiter. Ihre „Kernkompetenz“ in einem eh schon schlecht bezahlten Beruf auszuüben, lohnt sich für freiberufliche Hebammen kaum noch. Für Schwangere wird es im Gegenzug immer schwieriger, eine Beleghebamme für die Geburt – egal ob im Krankenhaus oder zuhause – zu finden. Campact (Eigeninfo über Campact hier) sammelt deshalb derzeit Unterschriften für einen Appell an Gesundheitsminister Daniel Bahr. Wer sich anschließen möchte klickt hier.

News des Tages

Umsätze in der Windelindustrie stark gestiegen
Die Windelhersteller verzeichneten in den vergangenen Tagen ein deutliches Plus bei den Verkaufszahlen. Grund war ein fäkaler Rekordversuch einer jungen Dame aus dem Ruhrgebiet: Im Zuge einer Virusinfektion verteilte sie ihren flüssigen Darminhalt in möglichst kleinen Portionen auf eine möglichst große Anzahl von Wegwerfwindeln. Aufgrund des üblichen Konvaleszenzverlaufs rechnet die Windelinsdustrie für die laufende Woche allerdings bereits mit drastischen Umsatzeinbußen. Die Firmenleitungen wollen Kurzarbeit beantragen. Die Gewerkschaften haben zu Demonstrationen vor den Werktoren aufgerufen.

Gedankenspirale

In elf Tagen steht der nächste Termin beim Kardiologen an, bei dem geplant ist, die anstehende Herz-OP des MiniMi zu besprechen. Das Ventrikelseptumdefekt wächst nicht zu, das Herz wächst dafür aber weiter stärker als es sollte – der kleine pumpende Muskel ist also belastet. Das zeigen auch das EKG und die leicht hektisch-abgehackte Atmung des MiniMi. Und beim nächsten Termin sollen deshalb Nägel mit Köpfen gemacht werden, was die OP-Planung angeht.
Schon seit Tagen bekomme ich deshalb aber den Kopf nicht mehr frei. Mir kreisen zum einen ständig konkrete Fragen im Kopf herum: Wie wird das Kind zum Beispiel still gehalten nach der OP? Mit so einem durchgesägten Brustbein sollte man wahrscheinlich nicht fröhlich im Bett rumturnen. Wie werden ihre Schmerzen bekämpft? Gibt es eine psychologische Betreuung für die kleinen Patienten?
Das sind die Fragen, die ich mir aufschreibe, damit ich sie zum passenden Zeitpunkt stellen kann. Und dann gibt es die Fragen, die ich mir nur selbst stelle. Was passiert, wenn die Herz-Lungen-Maschine bei der Operation versagt? Wenn die Narkose nicht tief genug ist? Wenn irgendeine kleine aber wichtige Naht nicht hält?
Im Schrank des MiniMi habe ich einen kleinen Vorrat an Spielzeug angelegt. Geschenke, die sie nach und nach bekommen soll, wenn es ihr besser geht. Meine Mama hat mir nämlich früher jeden Tag etwas mitgebracht, wenn ich im Krankenhaus war.
Aber ich hatte nur die üblichen Klassiker wie Polypen, Mandeln, Blinddarm. Mein Kreislauf wurde nie vom Herz abgeklemmt und an eine Maschine angeschlossen. Was wird denn aus dem MiniMi, wenn sein Gehirn dann nicht ordentlich versorgt wird? Oder wenn gar das kleine Herz beim Neustart nicht wieder anspringt?
Diese Fragen stelle ich nicht laut. Ich kann es nicht. Ich stelle sie mir nachts, heimlich, im Dunkeln, wenn das innere Kino anspringt. Dann geistern Szenarien durch meinen Kopf und rufen Albträume hervor von Spielzeugen, mit denen nie gespielt werden wird.

Kantenhocker

Heute saß das MiniMi zum ersten Mal mit am Tisch – zwar noch mit Decke im Rücken zusätzlich zum Sitzverkleinerer, aber dafür so richtig im eigenen Stuhl. Jetzt hat sie die Chance ihr neues Lieblingshobby zu perfektionieren. Große Augen bei ihr, als Mama und Papa da direkt vor ihrer Nase frühstückten. Und große Augen bei uns, weil das so ultraniedlich aussieht, wie sie die Tischkante so gerade mal um vielleicht 25 Zentimeter überragt.

Ich sehe was auf mich zukommen…

…und es ist ein Schubbidubduuu! Wir sind gerade den dritten Tag in der sechzehnten Lebenswoche, aber ich glaube, da kündigt sich schon der Sprung um die neunzehnte Woche an. Das MiniMi legt wieder gesteigerten Wert auf Körperkontakt oder zumindest mütterliche Anwesenheit beim Schlafen. Und es muss die mütterliche sein, der Papa ist grad nicht gut genug zum Schlummern. Das ist… ein klein wenig einengend. Sorgt für ein übermüdetes Kind, dem die Augen einfach nicht zugehen wollen, wenn Mama nicht da ist. Schafft aber auch etwas Sauberkeit im Haushalt: Schon den zweiten Tag in Folge schläft das MiniMi an mir im Tragetuch beim Staubsaugergeräusch ein. Gut – die Ecken werden dank eingeengeter Bewegungsfähigkeit von Staubmäusen bevölkert. Aber die Flächen sind sowas von krümelfrei wie sonst was. Nur auf die Stromrechnung bin ich gespannt – der Staubsauger steht nämlich schon seit einer halben Stunde hinter mir und summt fröhlich vor sich hin, damit das Kind weiterschlummert.