Zeit zum Essen fassen

Weil es gerade in meiner Twitter-timeline so viel thematisiert wird und weil ich endlich mal wieder was richtiges schreiben will, will ich heute mal von MiniMis Lebensmittel-Abenteuern berichten.
Beikost-Einführung heißt es in den einschlägigen Baby-Büchern, wenn es um den almählichen Wechsel von Milch auf feste Nachrung geht. Da gibt es feste Pläne, schicke Tabellen und viele gute Ratschläge – aber trotzdem bleiben tausend Fragen offen: Zuerst Möhre, Kürbis oder Pastinale? Gläschen oder selber kochen? Wie groß muss eine Portion sein? Weöches Öl gibt man dazu? Und vor allem: Wann fängt man an? Wann gibt es Fleisch dazu? usw. Ich kenne mehrere Mütter, für die der erste Löffel Brei ein Riesen-Akt mit wochenlangen Vorüberlegungen war. Und ich kenne Babies, die mit 14 Monaten immer noch keine stückige Nahrung bekommen, aus mütterlicher Angst, sie könnten sich verschlucken.
Es geht aber tatsächlich auch ganz ohne Brei: Beim Baby-Led Weaning (BLW) wird dem Kind feste Nahrung angeboten, die es je nach Appetit und Fähigkeit selbst essen darf. Das Baby stillt sich dabei durch das schrittweise immer mehr Essen irgendwann selbst ab. Frau Schussel hat das hier auf http://unpueriert.wordpress.com/ anschaulich und detailliert beschrieben.
Der Ansatz des BLW gefällt mir gut: Von Anfang an eine Esskultur für das Kind zu etablieren, die auf Freiwilligkeit und Selbstständigkeit beruht. Da ich das MiniMi aber schon lange nicht mehr vollständig stille (und seit der OP gar nicht mehr), wollte ich mich nicht ganz auf BLW verlassen: Muttermilch passt sich den kindlichen Nährstoff-Bedürfnissen an – Pre-Milch kann das nicht leisten. Ich wollte deshalb gerne sicher gehen, dass zumindest ein kleiner Grundstock an Vitaminen etc. im MiniMi landet.
Den Auftakt machte hier mit 18 Wochen das (vollkommen zu Unrecht) Baby-Gemüse Pastinake – und zwar im Glas und am Stück. Das MiniMi war von Anfang an hellauf begeistert im Hochstühlchen zu hocken und die glitschige Pastinake mit Mund und Händen zu zerlegen.
Mittlerweile hat sich für uns folgende Misch-Methode als praktisch erwiesen. Bei allen Mahlzeiten sitzt das MiniMi bei uns am Tisch und bekommt eine oder mehrere Zutaten in babygerechten Stücken von unserem Essen ab. Beim Frühstück ist zum Beispiel meist ein Stück Brotkante oder Obst. Koche ich zum Abendessen kartoffelspalten, liegen für sie welche ungewürzt und geschält mit im Ofen. Gibt es Gurkensalat, bekommt sie davon ein paar Stifte ab. Ihre kleinen Portionen lassen sich gut nebenbei arrangieren.
Zusätzlich bekommt sie zum gemeinsamen Mittagessen einen Gemüse-Brei, ein oder zweimal pro Woche mit Fleisch versetzt. Meistens koche ich größere Mengen vor und friere sie in leere Gläser ein. Falls wir unterwegs sind, nimmt das MiniMi aber auch gerne das Baby-Convenience-Food. Normalerweise kaufe ich dafür Alnatura-Gläschen ohne Zusätze wie Reisgrieß oderähnliches. Zum Nachtisch gibt es dann noch ein paar Löffel Obstbrei – wenn es nach dem MiniMi geht auch gerne mehr Obst, als vorher Gemüse. Zum Abendessen gibt es dann noch einen Getreide-Milch-Obstbrei, den ich meistens aus Hirseflocken anrühre. Insgesamt darf sie soviel oder sowenig essen, wie sie gerne möchte. Beim Mittagessen haut das MiniMi meistens begeistert rein, so dass sie dann die nöchsten drei Stunden keinen Hunger mehr hat. Gerade, als es so warm war, war aber auch schon mal nach drei Löffelchen Ende Gelände und lieber trinken angesagt. Beim Abendessen isst sie generell noch nicht so viel, dass dadurch das Gute-Nacht-Fläschchen wegfiele. So bleiben uns über Tag und Nacht verteilt noch immer mindestens fünf Flaschenmahlzeiten, die das MiniMi verschlingt.
Was die Zutaten in MiniMis Essen anbelangt, bin ich einerseits kritisch, andererseits gelassen. Möglichst Bio sollte es nach Möglichkeit sein, ohne Zusätze und Trallala. Vielfältig darf es aber ruhig sein: Möhre, Zuchini, Gurke, Fenchel, Kürbis, Pastinake, Tomate, Erbsen, Erdbeere, Aprikose, Nektarine, Apfel, Birne, Heidelbeeren, Nudeln, Brot, Kartoffeln, Reiswaffel – alles hat das MiniMi bislang in der einen oder anderen Form probiert und vertragen. An manches, Nudeln zum Beispiel, musste sie sich der Konsistenz wegen erstmal gewöhnen. Und bei den ersten Finger-Food-Versuchen mussten wir dem würgenden Baby auch mal das eine oder andere Riesenstück aus dem Mund fischen. Mittlerweile nimmt sie alles, was vor Ihr liegt mit Enthusiasmus in den Mund, knuspert sich was ab – und lasst alles, was zu groß zum Schlucken ist, einfach aus dem Mund plumpsen.
Der Mann schlug erst gestern vor, das MiniMi doch unabhängig von unseren Mahlzeiten zu füttern, weil es ihm zu anstrengend ist, gleichzeitig zu füttern und selber zu essen. Dabei finde ich es gerade sehr entspannend, nicht erst Zeit für eine Babymahlzeit aufzuwenden, um danach beim Essen ein nörgeliges, gelangweiltes Kind von meinem Teller fernhalten zu müssen. Und wenn ich das begeisterte Strahlen des MiniMi sehe, wenn wir alle drei am Tisch sitzen, und sie begeistert mit der flachen Hand auf den Tisch haut, weil sie mehr Essen haben will – dann weiß ich, dass das genau so passt wie es ist.

Alles gut

Da schreibe ich vor anderthalb Monaten einfach so hin, wann der OP-Termin ist und lasse dann hier nichts mehr von mir hören. Ich bin aber auch sowas von unzuverlässig. Kurzum: alles ist gut gegangen, das Minimi hat sich in Rekordzeit erholt und robbt jetzt halt einfach mit einer schicken Heldennarbe durch die Weltgeschichte. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die vielen guten Gedanken und Wünsche, die sie aus aller Welt in den OP begleitet haben, einen guten Teil zum Gelingen beigetragen haben. Dafür bin ich unendlich dankbar.