Arbeitslos

Der Titel sagt alles: Heute habe ich mich zum ersten Mal in meinem Berufsleben arbeitslos gemeldet.
Eigentlich hatte ich bis Sommer 2015 Elternzeit angemeldet, wollte aber ab diesen Sommer in Teilzeit wieder arbeiten. Nun steckt mein Arbeitgeber mitten in, nennen wir es mal, größeren Umstrukturierungen. Es gibt deshalb keine Möglichkeit mich in Teilzeit zu beschäftigen. Die Optionen waren deshalb: Elternzeit weiter zuhause zu verbringen ohne Einkommen nach dem Elterngeld oder sich auf einen Aufhebungsvertrag zu einigen.
Letzteres habe ich dann getan. Mit einem gleichmütigen und einem weinenden Auge. Gleichmut, weil das Thema Arbeit irgendwie so weit weg erscheint nach der langen Zeit mit den Kindern zuhause. Weinend, weil ich einen tollen Job hatte mit sehr netten Kollegen, super Einkommen und mit spannenden Aufgaben. Zehn Jahre gehöre ich in diesem Monat zum Unternehmen. Auch mein Bruder, mein Vater und mein Großvater haben schon dort gearbeitet. (Bitte denken Sie sich an dieser Stelle einen bitteren Kommentar über Tradition, modernen Kapitalismus in Zeiten der Globalisierung und die Stellung berufstätiger Mütter in internationalen Großunternehmen)
Als positiver Erfahrung konnte ich heute den Besuch im Arbeitsamt Bochum verbuchen. Am Empfang bekam ich Zugangsdaten für die Online-Jobbörse ausgehändigt und konnte dann am Computer meine Daten alle selbstständig eintragen. Anschließend bekam ich noch die Formulare, die für den Arbeitslosengeldantrag notwendig sind, und die Aussicht auf einen Beratungstermin nach dem anstehenden Urlaub. Alles begleitet von netten Mitarbeiterinnen, die nebenbei mit einem ungeduldig-müde-hungrigen He-Man flirteten. Auch keine irritierten Reaktionen beim Stillen* mitten im Gespräch, wirklich sehr kinderfreundlich.
Jetzt gilt es für mich, alle Daten und Unterschriften für den Antrag zusammen zu bekommen. Noch wichtiger aber: Betreuung für He-Man finden. Ohne Kinderbetreuung wird das nämlich nichts mit arbeiten. Aber das ist noch ein ganz anderes Thema.

*Mache ich sonst nicht einfach so mitten im Gespräch bei Leuten am Schreibtisch, aber He-Man schrie schon das gesamte Großraumbüro in Grund und Boden.

Osterhasenlimit

Ende, aus: die Osterfeiertage sind vorbei. Millionen unschuldige Schokoosterhasen sind an diesem Wochenende ums Leben gekommen, kiloweise Süßigkeiten verschwanden in Kinder- und Erwachsenenmündern.
Auch der Mann und ich haben unser gemeinsames Osternest fast schon leer gegessen. So sind wir: Es gibt Süßigkeiten? Die müssen vernichtet werden. Also, ich eigentlich nicht. Ich kaufe nur gerne Chips, Weingummi usw. und esse auch gerne regelmäßig immer wieder davon. Der Mann aber kann nicht einfach nur ein paar Gummibärchen nehmen und die Tüte wieder verschließen. Bei ihm verschwindet sofort alles. Und weil ich ein absoluter Futterneider bin, sehe ich zu, dass ich zumindest die Hälfte davon abbekomme. Kaufe ich eine Stapel Schokolade im Angebot, darf man davon ausgehen, dass hier jeden Tag mindestens eine davon verschwindet. Es ist unfassbar.
Als ich ein Kind war, wurden Süßigkeiten zuhause streng reglementiert. Es war gar nicht so, dass ich keinen Zucker bekommen hätte, aber ich durfte auf gar keinen Fall ohne zu fragen an die Süßigkeitenkiste. Die Folge: Auf Familienfesten – dort standen nach Kaffee und Kuchen immer Schüsseln mit Knabberzeug und Weingummi auf dem Tisch – aß ich regelmäßig so lange und viel, bis ich mich übergeben musste. War ich als Teenager allein zuhause und nahm mir etwas aus der Kiste, achtete ich peinlichst darauf, dass es zu wenig war, um den Unterschied zu merken. Oder ich ging anschließend zum Aldi und kaufte das gleiche nach.
Diese übermäßige erzieherische (gar nicht mal tatsächliche) Reglementierung in Bezug auf Süßigkeiten hat in mir genau das Gegenteil bewirkt: Ich kann mich auf dem Gebiet nur schwer zügeln, sowohl was essen als auch kaufen angeht. Einer meiner größten Freuden, nachdem ich die erste eigenen Wohnung bezogen hatte, war es, mir einfach immer alle Schnützereien kaufen zu können, die ich wollte. Und eigentlich will ich immer.
Nun bin ich aber Mutter. Wie gehe ich da mit dem Thema um? Schnell hat sich im Alltag gezeigt: Ich kann gerade auf dem Gebiet keine „harte Linie“ fahren. Das MiniMi darf im Alltag nachmittags ein Kekschen essen und auch ein Glas Milch mit etwas Kakao drin (ihren heißgeliebten „Tindertaffee“). Unterwegs habe ich Snackigel, Fruchtmuß oder ähnliches in der Tasche. Und wenn sie im Wahlkampf ein Tütchen Gummibärchen geschenkt bekommt, darf sie es auch sofort essen.
Dabei macht das MiniMi oft den Eindruck, als könnte auch sie nicht genug bekommen, wenn es irgendwo Knabbereien zu ergattern gibt. Gestern hat sie das Gegenteil bewiesen. In ihrem Osternest war ein kleiner Smartieshase, ein Ü-Ei und ein Schokohasenlolli. Sie aß erst den Hasen, biss dann noch kurz in den Lolli und aß dann lieber zum Frühstück noch ein Toast mit Mett und ein paar Himbeeren. Am Vormittag verputzte sie noch den Lolli, heute öffnete sie das Ü-Ei. Die Hälfte davon liegt sogar noch im Körbchen. Ich hoffe, wir können ihr diese Fähigkeit zur gesunden Selbstbegrenzung irgendwie bewahren.
Im Schrank warten noch die Ostersachen von Oma und Opa. Es ist nicht furchtbar viel, insgesamt ein kleines Tupperdöschen voll (plus Osterhase, Kinderkekse und Fruchtriegel). Noch hadere ich, ob ich das komplett verschwinden lasse, limitiert ausgebe oder sichtbar hinstelle und sie etwas auf Nachfrage davon bekommt.

Danke, Mama, danke!

Schüchtern ist es, das MiniMi, aber trotzdem gleichzeitig wortgewaltig und manchmal auch ganz schön frech. So kräht sie zwar lautstark „Flaaaaischwuuust, Mama. Flaischwust!“, sobald die Wursttheke in Sichtweite kommt. Sich aber anschließend bei der Verkäuferin zu bedanken, so weit reicht der Mut dann nicht. Mit Fremden redet sie nicht gerne, und sei es nur ein kleines „Danke“.
Dafür benutzt sie das Zauberwort zuhause geradezu inflationär. Ein Apfel? „Danke, danke!“ Einmal Naseputzen? „Danke, Mama! Danke!“ Dabei ist der Tonfall das absolute Highlight. Sie sagt das so, als ob man ihr gerade den allergrößten, sehnlichsten Herzenswunsch erfüllt oder sie in letzter Sekunde gerettet hätte.
Heute, als ich sie von der Tagesmutter abhole, fragt sie mich, ob ich das neue, große Auto mit hätte (Wir bekommen nächste Woche ein neues Auto). Ich antworte: „Nein, aber Mama hat die neuen Kindersitze eingebaut. Du kannst schon in deinem neuen Sitz fahren.“ Und sie strahlt mich an: „Danke, Mama!“ Aber bitte doch.

Das Böse, ist das Gute, das man lässt

Gerade entspann sich in meiner Twitter-Timeline eine Diskussion zum geschlechtsspezifischen Verhalten von Kindern. Ich habe mich nicht beteiligt, finde es aber witzig, weil ich gerade gestern länger darüber nachgedacht habe. Gute Gelegenheit, auch mal was dazu zu schreiben.

In unserer Wohnung wohnen offiziell der Mann, das MiniMi, He-Man und ich. Aber hier wohnen auch Edda, Frauke, Flora, Fauna, Fritzi, Kathrin, Bernd, Puppi und Püppi. Das sind die Puppen vom MiniMi und ihre „benamten“ Teddys – eine ganz schöne Horde mittlerweile. „Typisch Mädchen!“ wird sich mancher denken. Und so sieht es auch von außen aus: Die Puppen werden ständig gewickelt, getragen, kutschiert, verarztet und auch gestillt.
Tatsächlich legt das MiniMi dieses Verhalten erst an den Tag, seit He-Man da ist. Für ihre Puppen ist sie die Mama. Sie tut einfach im Spiel das, was Menschen- und Tierkinder auf der ganzen Welt tun: Sie ahmt nach; sie tut, als ob sie groß sei. Ihr Spiel dreht sich meist darum, wie die Welt funktioniert. Und so wie sie mit mir putzt, saugt oder kocht, repariert sie auch mit Papa Stühle, sitzt stundenlang im Auto und übt „einparken“ oder baut mit ihm Duplobahnlandschaften.
Bei Kleidung, Kinderzimmer und auch Spielzeug lege ich großen Wert darauf, das es möglichst „geschlechtsneutral“ ist. Das war auch schon so bevor He-Man geboren wurde, weil ich nicht will, dass das MiniMi so ein rosa-glitzer Püppchen wird.
Dabei ist Rosa und Glitzer ja gar nicht schlimm. Wenn sie (oder He-Man?) sich dafür irgendwann entscheidet: bitte! Das, was ich mit Rosa und Glitzer assoziiere, ist viel schlimmer. Oder vielmehr: Das, was Rosa und Glitzer, nicht ist. „Weibliche“ Eigenschaften sind natürlich und durchaus wünschenswert. Sich aber darauf zurückzuziehen und Dinge nicht zu machen, weil man weiblich ist, das ist mir ein Graus. „Frag mich nicht, ich bin bloß ein Mädchen“ klingt mir da Malibu Stacy im Ohr: Mädchen können kein Mathe, nicht raufen, nicht mit Werkzeug umgehen usw. usf.
Genauso will ich auch nicht, dass He-Man eines Tages behauptet, er könne keinen Staub wischen oder Wäsche hängen, weil er ein Junge sei. Das Böse sind nämlich nicht die stereotypischen Eigenschaften, die den Geschlechtern zugeschrieben werden. Es sind die Einschränkungen, die damit einhergehen: Fähigkeiten, die verkümmern, Erlebnisse, die unerlebt bleiben, Talente, die brachliegen, weil es nicht zum typischen Bild passt.
Ich kann auch ganz vieles nicht: Ich kann zum Beispiel schlecht rennen, weil ich eine schiefe Hüfte habe. Ich kann auch schlecht einparken, weil ich schlechte Augen habe. Wichtig ist aber: ich kann nichts davon schlecht, weil die Natur mich mit einer Gebärmutter und Titten ausgestattet hat.
Deshalb hoffe ich einfach, dass wir es als Eltern schaffen, unseren Kindern zu vermitteln, dass sie Individuen sind, die sich nicht von einem gesellschaftlich geprägten Geschlechterbild einschränken lassen müssen. Bis dahin wohnen Puppen- und Duplohorden einträchtig im grünen Kinderzimmer nebeneinander.

Murphy, ich rufe Dich!

Ich fordere mein Schicksal heraus, ich weiß. Aber es ist Sonntagabend, fünf vor acht und beide Kinder liegen schlafend im Bett. Das ist so eine Ausnahme, dass ich fast versucht bin ein Kreuz im Kalender zu machen.
Das MiniMi hat heute statt Mittagsschlaf nur etwas gedöst und dann wach im Bett gelegen, insgesamt etwa eine Stunde. He-Man hat dank spätem Aufstehen auch nur von 12 bis halb zwei geschlummert und danach heute nicht mehr in den Schlaf gefunden. So waren beide hinreichend platt und schliefen prompt nach dem Abendritual ein. Kein Heckmeck, kein Rawääää, keine ewiges Stillen. Einfach Ruhe.
Und weil hier sonntags Pizzatag ist, darf Herr Zeitlos gleich den Müll vom Tisch sammeln und die Küche ist in Ordnung.
Ich gebe deswegen hiermit offiziell bekannt, dass ich nun bis zum Beginn des Tatorts in der Dusche verschwinde.

Arbeit, nix als Arbeit

Den ganzen Morgen ist das MiniMi wie wild durch die Bude gerannt:“Bin arbeiten!“
Gummistiefel an, Wintermütze auf und Mamas Rucksack am Rücken. Daraus wurde dann erstmal ein Labello stibizt und großzügig im Gesicht verteilt. Anschließend das Kleingeldglas ins eigene Portemonnaie leeren und dann ab aufs Sofa, pardon, in den Bus. Brumm, brumm, brumm. Einen Zettel hat sie sich als Fahrkarte geschnappt. Ich gehe alle paar Minuten als Schaffner vorbei und stempele mit dem Locher ab.
Als das langweilig wird wechselt das MiniMi zu: “Mama, bin Postbote!“ und dann zu “Bin Pizzamann!“.
So ein fleißiges Kind.