Erst Schreck, dann Ärger

In den letzten Schwangerschaftstagen ist mit mir eigentlich nicht mehr viel los. Ich krame hier ein bisschen, nähe da zwei, drei Stiche – aber insgesamt ist die Luft raus. Etwas mehr Schwung, wenn auch unerwünscht, brachte der heutige Tag.

Zuerst stand die Hebammenvorsorge auf dem Programm. Beim Abtasten dann ein kleiner Schreck: Wo ist denn nun der Kopf und wo der Po? Das ließ sich heute nicht eindeutig zuordnen. Die Herztöne bupperten auch überraschend hoch in der Gebärmutter. Ein Kontroll-Ultraschall war also angesagt. Zu meiner Frauenärztin wollte ich nicht mehr, die einzige in der Nachbarschaft wollte hingegen mich nicht. Der Ratschlag dort: Ab in die Geburtsklinik. Als Herr Zeitlos nach Hause kam machten wir uns deshalb auf den Weg. Nach CTG und langem Ultraschall ist klar: Die Maus ist eher zierlich, aber liegt brav mit dem Kopf im Becken. Glück gehabt, Schreck abgehakt.

Wieder zuhause angekommen wartete dann der Ärger. Ich rief meine Mutter an, um zu berichten was heute so passiert war (schließlich gab es ja tatsächlich mal was zu erzählen). Irgendwie nahm das Gespräch eine unerwünschte Wendung.
Mutter: Der Papa lädt gerade die Videokamera auf. Soll ja alles parat sein, wenn’s soweit ist.
Ich: Bitte? Kommt mir bloß nicht mit Videokamera ins Krankenhaus!
Mutter: Warum denn nicht?
Ich: Weil ich Videokameras nicht leiden kann.
Mutter: Aber es ist doch egal, ob das mit der Videokamera, mit dem Handy oder der Fotokamera gefilmt wird.
Ich: Ich hasse es, gefilmt zu werden. (Aus dem Nebenraum ruft Herr Zeitlos „Ich auch“.)
Mutter, schnippisch: Dann filmen wir dich halt nicht mit.
Ich: Mama, das ist ja, also ob man mit RTL redet. Warum ist das denn nicht in Ordnung, wenn ich Videokameras nicht mag?
Mutter: Wir stellen das ja nicht ins Internet, in Facebook oder so.
Pause
Ich: Mama, bist Du jetzt beleidigt?
Mutter: *schnief* Nein, ich bin nicht beleidigt.
Ich: Doch bist Du. Warum darf ich denn nicht sagen, wenn mir etwas nicht gefällt?
Mutter: Darfst Du. Du darfst alles sagen. Gerade im Moment. Du sollst Dich ja nicht aufregen *schnief*
Ich: Ich rege mich nicht auf. Ich will nur sagen dürfen, wenn mir was nicht passt. Und du musst deshalb nicht weinen und mir Schuldgefühle aufladen.
Mutter: *schnief* Ich mache Dir keine Schuldgefühle. Du darfst im Moment alles sagen was Du willst. Ich würde Dir nur ansonsten vielleicht auch was dazu sagen. (Aus dem Hintergrund ruft mein Vater pampig: „Ist ja gut, wird halt nix aufgenommen.“)
Ich: Dann sag doch.
Mutter: Nicht in deinem Zustand.
Ich: Ja, das ist ja eine ganz tolle konstruktive Auseinandersetzung.
[…]

Auch wenn ich während des Telefonats mühsam die Fassung wahre, stehen mir danach die Tränen in den Augen. Herr Zeitlos kommt aus dem Kinderzimmer gestürzt, greift sich das Telefon und sagt: „Ich ruf da jetzt an und sag, dass das so nicht geht!“ Als ich ihm das Telefon entreiße und auflege, hatte es aber schon geklingelt. Umgehend kommt natürlich ein Anruf zurück, so dass ich meiner Mutter dann irgendwas von „verwählt“ erzähle. Anschließend haben Herr Zeitlos und ich uns in der Wolle: Wie wenig unterstützend ich solche Aktionen finde, wie wenig er seine Interessen bzgl. Wochenbett berücksichtigt sieht usw. Herzlichen Dank Mama, super Tagesabschluss. Ich habe mich gar nicht aufgeregt und fühle mich total prima.

Mmmmhhhhhh

Feuertaufe für das neueste Mitglied im Haushaltsgeräte-Park: Popcorn im Bratschlauch aus der Mikrowelle. Das Experiment ist geglückt und schmeckt soooooo lecker. Für Popcorn mache ich nie wieder nen Topf dreckig.

Das Nest ist gemacht

In den vergangenen Tagen habe ich noch kräftig an der Kinderzimmer-Deko weitergearbeitet und kann voller Stolz verkünden: Mission beendet. Und weil ich so stolz bin, juckts mich natürlich auch ein bissel was vorzuzeigen. Hier also der Blick ins Kinderzimmer (Klick auf’s Bild macht groß).
Die rechte Seite:

Die Wiege hat übrigens mein Papa annodazumal für mich gebaut. Nach mir haben schon so einige Babies selig darin geschlummert. Für sein Enkelchen hat er sie aufgearbeitet und die Oma hat das Innenleben mit neuem Stoff bezogen.

Quasi im „toten Winkel“ rechts neben der Türe steht die Wickelkommode

Die linke Seite des Zimmers, inklusive Papas Arbeitsecke, sieht so aus.

Noch ein Blick auf die Dekodetails.
Hier das Mobile über der Kommode:

Die Deko über dem Schreibtisch:

Und zu guter Letzt die Fensterdeko:

Und jetzt geh ich mir mal meine schwieligen Bastelhände eincremen. Die nächsten paar Wochen kann ich kein Tonpapier mehr sehen.

Da ist der (Möbel-)Wurm drin – Update-

Die unendliche Möbelgeschichte ging heute in die nächste Episode: Die Monteure waren da, um die Kommode aufzubauen und die kaputten Schrauben am Bett in Augenschein zu nehmen.

Auf der Haben-Seite kann ich jetzt eine aufgebaute Kommode verbuchen. Die Soll-Seite kann dafür um weitere Punkte ergänzt werden. Die defekten Schrauben ließen sich nämlich nicht mehr einfach so lösen. Dafür muss nochmal jemand mit Spezialwerkzeug kommen und dann neue Schrauben einbauen. Die Monteure haben sich auch ganz schön über die Kollegen aufgeregt, die das verbockt haben.

Dafür haben sie sich dann bemüht, sich auch auf der Reklamationsliste zu verewigen, und haben ein überflüssiges Loch in die Kommode gebohrt. Wir warten also nun nicht mehr nur auf die Bettrückwand und die Schranktüre sondern auch noch auf ein neues Brett an der Kommode. Aber generell stehen ja nun zumindest mal alle Teile (Drei Kreuzzeichen und ein Halleluja!).

Die Sache mit den Austausch-Schrauben am Bett habe ich dann gleich selbst in die Hand genommen. Bevor ich wieder wochenlang warte, habe ich direkt beim Hersteller gebeten, mir die Schrauben zu senden (Ich weiß ja mittlerweile, wer für was zuständig ist). Das Möbelhaus habe ich nur noch darüber informiert, dass ich mich melde, wenn die Schrauben da sind. Peinlich für das Möbelhaus, dass ich denen zeigen muss, wie man sowas flott über die Bühne bringt.

Da ist der (Möbel-)Wurm drin

Ich schrieb ja hier schon mal kurz von der immer noch nicht aufgebauten Wickelkommode. Die wirklich lange Geschichte dahinter, hatte ich noch gar nicht erzählt, oder?

Eigentlich fehlten dem guten Stück nur ein paar Schrauben. Als das Zimmer im Dezember geliefert wurde, konnte die Kommode deshalb nicht aufgebaut werden. Sie landete als Berg von Holzplatten und Kartons in der Kinderzimmerecke. Nach zig E-Mails an das Möbelhaus, einem kurzen Telefonat mit dem wirklich hilfsbereiten Hersteller und dann einem persönlichen Besuch im Service-Center des Möbelhauses kann ich zumindest vermelden, dass die bislang fehlenden Schrauben jetzt hier liegen. Und das liegt nicht an der Kompetenz des Möbelhauses…

Dafür durften wir diese Woche einen weiteren Knüller entdecken: Zu den Kinderzimmer-Möbeln gehört ja auch ein Bett, dass wir gerne als Beistellbett verwenden wollten. Das Bettchen steht nun seit Anfang Dezember im Schlafzimmer. Die Monteure hatten es erstmal normal tutti-kompletti aufgebaut, da wir noch keine Umbauseite hatten, mit der das kleine Bett ans große Bett gepackt werden kann. Dass sie dabei die Rückwand geschrottet hatten, wussten wir und hatten wir reklamiert – wegen der Umbauseite brauchen wir die eh eigentlich erstmal nicht. In der Zwischenzeit haben wir die entsprechende Umbauseite hier und wollten Sie einbauen. Überraschung: Die Monteure haben beim Zusammenbauen mit dem Akku-Schrauber alle Schraubenköpfe kaputt gemacht, so dass sich weder die aktuellen Seiten aus-, noch die neue Seite einbauen lässt.

Morgen möchte das Möbelhaus einen Termin zum Aufbau der Kommode machen. Dabei muss dann also gleich auch das Bett generalüberholt werden. Und wenn schon mal jemand da ist, darf auch gleich der Schrank (bei dem auch noch eine verzogene Türe getauscht werden muss) kontrolliert werden – nicht, dass die Schrauben da auch alle hinüber sind.

Ich fasse mal zusammen:
Drei Möbelstücke, Anfang Oktober bestellt, Anfang Dezember unvollständig geliefert und mangelhaft aufgebaut. Jetzt, Ende Januar, sieht es endlich so aus, als könnten zumindest halbwegs mal alle Möbel langsam an ihren endgültigen Platz (Sofern nicht an der Kommode selbst noch irgendetwas kaputt ist). Wann die wirklich defekten Teile getauscht werden, steht noch in den Sternen.

Bislang hatte ich immer preiswerte Möbel zum Selberaufbauen. Das Kinderzimmer – sponsored by Opa – sollten die ersten wirklich sehr hochwertigen Möbel sein, die inklusive Lieferung und Montage erworben wurden. Was das wirklich gebracht hat, steht ja oben.

(Wer einen Tipp braucht, welches Möbelhaus ich im Ruhrgebiet nicht weiterempfehlen würde, kann sich ja mal melden…)

Hin- und Hergerissen…

…zwischen Es-ist-alles-so-mühselig-und-hoffentlich-bald-vorbei und Sie-darf-noch-nicht-kommen-es-ist-noch-zu-früh-und-noch-soviel-zu-tun.
Da wäre nämlich noch unter anderem:
– Kindergeld-, Elterngeld- und Elternzeitanträge zu vervollständigen
– das Möbelhaus dazu zu bringen endlich die Wickelkommode fertig aufzubauen (Don’t ask…)
– die Kinderzimmerdeko fertigbasteln
– und auf jeden Fall: einmal Großreinemachen, bevor die Maus kommt (die Fenster, OMG die Fenster…)

Und anstatt ranzuklotzen liege ich oft wie erschlagen den ganzen Tag auf dem Sofa. So komme ich garantiert nie zu Potte.

This system sucks

Exakt mit Beginn des Jahres bin ich in Mutterschutz getreten. Und exakt mit Beginn des Jahres hat mich mein Arbeitgeber aufgefordert mich freiwillig krankenzuversichern, weil mein Arbeitsentgelt eine bestimmte Beitragsgrenze übersteigen würde in diesem Jahr. Rein theoretisch. Denn ich bekomme ja dank Mutterschutz und Elterngeld 2012 überhaupt kein reguläres Gehalt. Ist der Krankenkasse aber schnuppe. Da wird nur theoretisch gerechnet.

Und weil ich Alleinverdienerin bin und mein Mann über mich mitversichert ist, darf ich auch während der Elterngeldzeit weiter Beiträge in die Krankenversicherung einzahlen. Hätte mein Mann ein Einkommen, hätten wir also mehr Geld, müsste ich nichts bezahlen. – Der Teufel scheißt ja schließlich immer auf den großen Haufen, gell?

Wir werden im kommenden Jahr vorraussichtlich keine Geldsorgen haben. Die Rücklagen sollten eigentlich auch so ausreichen. Trotzdem bin ich jetzt mal ordentlich angepisst von diesem System, das qualifizierte, und emanzipierte weibliche Fachkräfte abstraft.

Frau Zeitlos for Bundespräsident

Liebe Mitbürger,

hiermit bewerbe ich mich offiziell für das Amt der Bundespräsidentin.

Reden halten kann ich vermutlich ganz gut. Ich reise gerne in ferne Länder und mache bestimmt auch nach langen Flugreisen noch einen frischen Eindruck, wenn mich auf dem Flugfeld andere Staatsoberhäupter begrüßen. Aber all das ist ja fast nebensächlich.

Vorallem kann ich versprechen, dass die Probleme des jetzigen Amtsinhabers bei mir nicht auftreten werden: Ich habe keine reichen Freunde, die mir große Summen Geld leihen oder bei denen ich meinen Urlaub in tollen Ferienhäusern verbringen könnte.

Meine Finanzlage bringt auch keine Bank dazu, mir Kredite zu unfassbar günstigen Konditionen anzubieten. Ganz zu schweigen davon, dass ich zumindest das kleine Einmaleins der Pressearbeit beherrsche. Das heißt zum einen, dass ich nicht so dämlich wäre, Drohbotschaften auf Anrufbeantwortern zu hinterlassen. Ich würde aber auch nicht in Interviews von mir selbst in der dritten Person reden.

Zu guter Letzt habe ich noch einen tadellosen familiären Hintergrund zu bieten: Vor zwei Jahren habe ich meinen Mann geheiratet. Wir kennen uns seit 13 Jahren und erwarten gerade, ganz brav und ehelich, unser erstes Kind.

Kurzum: Die nächste Bundeversammlung darf sich gerne für mich entscheiden. Ich würde die Wahl annehmen.

Herzlichst,
Ihre Frau Zeitlos

P.S.: Vielleicht auch von Vorteil: Ich habe zwar keinen Dr. sondern nur einen B.A.. Dafür habe ich meine empirische Studienabschlussarbeit ganz alleine geschrieben.