Der Vortex und wir

Viele Eltern kennen das: Kommt der Herbst, kommt die Bronchitis. Und die Saison kann lang sein, gerne mal von September bis Mai keuchen die Kinder Tag und Nacht durch. He-Man geht es genauso. Einfachen Schnupfen kennt er nicht – sobald die Nase läuft, wandert der Infekt in die Bronchien (und auch in die Ohren, aber das ist wieder ein anderes Thema). Unser treuer Begleiter ist schon den dritten Winter das Vortex-Inhalationsgerät mit Salbutamol (und wenn es ganz schlimm ist auch mal Kortison.) Dabei bekommt das Kind eine Maske aufs Gesicht gesetzt; das Aerosolspray verteilt sich auf Druck in einer Kammer, aus der das Kind dann die Luft und den Wirkstoff abatmet. Das geht ganz fix, bei uns lautet die Anweisung auf zehn Atemzüge.

Nun ist das als Baby und Kleinkind natürlich total doof, so eine Atemmaske ins Gesicht gedrückt zu bekommen – egal wie kurz. He-Man macht das aber immer super mit, schon von Anfang an. Ich möchte kurz erzählen, wie wir das hinbekommen haben.

Mit dem Unbekannten bekannt machen
Zuerst einmal musste ich mir das Inhalationsgerät selbst mal genau anschauen: Wie gehört das zusammen? Wie funktionieren die einzelnen Teile?  Das habe ich mit He-Man zusammen gemacht, ihm die Atemmaske zum Spielen gegeben, sie mal vor mein, mal vor sein Gesicht gehalten, gemeinsam durch die Röhre geschaut usw.  Zumindest wussten wir beide dann schon mal, womit wir es zu tun hatten.

Der Erklärbär
Ich bin ein großer Fan von Erklärungen, auch schon für ganz kleine Babys. Vor Untersuchungen, Impfungen, sogar beim Wickeln: einfach mal kurz und knapp sagen was passiert, damit das Kind nicht überrumpelt wird. So habe ich das sehr lange beim Inhalieren gemacht, in ganz einfachen Worten: “Du bist krank und bekommst schlecht Luft. Dieses Spray hilft dir beim Armen. Ich setze gleich die Maske auf dein Gesicht. Dann kommt ein komisches Geräusch ‚Tsch-Tsch‘ und ein Geruch.“

Natürlich fand He-Man das trotzdem oft total kacke auf gut deutsch gesagt und hat beim Inhalieren geschrien. Das ist ja auch sein gutes Recht. Viele medizinische Maßnahmen sind leider unangenehm, aber trotzdem notwendig. Ein einfaches, ruhiges “Du findest das gerade richtig doof. Aber gleich kannst du leichter atmen“ hat mir und He-Man manches Mal geholfen.

Zwischendurch lassen wir auch gerne immer noch mal den Teddy inhalieren. Der Teddy kriegt natürlich auch alle Erklärungen und muss sich anhören, dass er ruhig schreien darf, aber stillhalten soll, und so weiter.

Haltung wahren
Inhalationsgerät aus x aneinandergesteckten Teilen zusammenhalten, Atemmaske auf zappelndem Kind platzieren, Sprayknopf drücken – „Verdammte Hacke, du hast nen Arm zuwenig“, dachte ich mir beim ersten Inhalieren. Mit der Zeit hab ich mir mit He-Man aber eine Haltung zusammengefuchst, bei der zwei Hände vollkommen ausreichen.

Ich setze ihn auf meinen Schoß oder auf den Wickeltisch und greife mit dem rechten Arm ganz um ihn rum. Sein linker Arm verschwindet hinter meinem Rücken und sein rechter wird von meinem Arm gehalten. Sein Kopf lehnt an meiner Schulter. So halte ich mit der rechten Hand die Maske an sein Gesicht, ohne dass sein Kopf immer weiter zurückweichen kann. Die linke Hand kann dann bequem den Knopf drücken und den Inhalator stützen.

Das klingt jetzt ein bisschen nach Schwitzkasten, aber natürlich halte ich ihn nicht so fest, dass er nicht mehr weg kommt. Nur so, dass er sich sicher und ruhig anlehnen kann und nicht aus Versehen der gesamte Inhalator durchs Zimmer segelt.

Ein bisschen Spaß muss sein
Zu guter Letzt ist Inhalieren bei uns immer ein bisschen Zeit für Jux und Dollerei. Es dauert ja auch wirklich nicht lange. Und weil ich He-Man so knackig im Arm halte, unternehme ich dabei schon mal ein wildes Sitztänzchen mit ihm zu ausgedachten Rattata/Lalala/Schubbidu-Melodien. Noch schöner ist es, wenn das MiniMi sich für ihn ein Liedchen ausdenkt. Er liebt ihre kleinen Stehgreif-Songs, in denen immer ein Tier und eine Toilette vorkommen.

Tja, so machen wir das. Die meisten Kniffe funktionieren für uns auch gut bei anderen unangenehmen Pflichtpunkten – von Augentropfen bis Zehennägelschneiden. Was sind denn eure Tricks beim Inhalieren? Oder bei anderen medizinischen Prozeduren, die sich manchmal nicht vermeiden lassen?

 

 

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3 Gedanken zu “Der Vortex und wir

  1. Oha, das kenne ich auch noch zu gut. Bei uns war es der Pariboy, der seit dem ersten Lebensjahr der Kleinen zur Familie gehörte. Allerdings dauerten die Sitzungen länger als 10 Hübe – wir mußten solange, bis die Menge im Röhrchen vollständig verdampft war, das konnte schon mal 15 Minuten dauern. Mein Mann hatte (und hat auch immer noch) für sowas mehr Geduld als ich, also war es seine Kuschelzeit mit dem Kind. Er hatte ein tolles Lied im Repertoire, das nur bei dieser Gelegenheit gesungen wurde, darauf freute sich das Kind dann stets, weil darin zum einen ein bißchen Animation vorkam – halt so eine wie Knie kitzeln, am Ohr zupfen etc. – zum anderen wußte sie genau, daß wenn eine bestimmte Strophe kam, die Inhalation gleich zuende ist.

  2. Das ist auch eine super Idee, ein Speziallied für den Anlass! Könnte man ggf. auch auf Spielzeug oder Buch übertragen.
    Ich bin ganz froh, dass die Leitlinien mittlerweile nicht mehr die Dampfinhalation empfehlen, sondern das Aerosol offenbar effektiver ist. Beim MiniMi hatten wir einmal nen Pari-Boy und das war erst Recht kein Spaß. Man muss ja nicht nur ewig sitzen, es ist ja dazu auch schrecklich laut.

  3. Zum Glück merken ja selbst die Kleinen, daß ihnen die Nutzung des Gerätes gut tut und beim nächsten Mal wehren sie sich immer weniger. Unsere Kleinste hatte bis zum ca. 7 oder 8. Lebensjahr Probleme mit Bronchitis, aber seit nun schon fast 5 Jahren war nix mehr. Also zumindest nichts mehr, weshalb sie hätte inhalieren müssen. Stimmt, der Pari ist extremst laut gewesen, schrecklich. Gute Besserung!

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