Unter uns, Teil 3

Neues aus der Nachbarschaft: In der Zwischenzeit war ein Techniker des Vermieters da und hat sich angehört, wie die Geräuschentwicklung in der Wohnung unter uns ist. Ich pfefferte dazu fröhlich Bauklötze durch die Gegend und trampelte überall durch die Wohnung. Anschließend kam er zu mir hoch und verkündete: Alles in Ordnung. Es sei nicht lauter, als es halt in einer Altbauwohnung zu erwarten sei.

Die Nachbarn unten hatten sich halt anderes erhofft. Sie hätten gerne, dass Spanplatten und Estrich auf unsere Holzdielen gelegt werden.Wir finden das weniger gut, da wir die Wohnung unter anderem wegen des schönen Bodens ausgewählt haben. Außerdem haben wir natürlich wenig Lust, kein Jahr nach Einzug hier wieder alles auf den Kopf zu stellen, aus- und umzuräumen. Würde der Vermieter die Arbeiten bezahlen, wären wir allerdings dazu bereit gewesen. Auf eigene Kosten den ganzen Aufwand zu betreiben? Das wollen wir keines Falls.

Seit klar ist, dass unser Alltagslärm auch vom Vermieter abgesegnet ist, haben die Nachbarn sozusagen Eskalationsstufe 2 gezündet. Freitag und Samstag wurde von jeweils 6:30 bis 7:00 mit einem schweren Ball getitscht, mit Stöcken auf den Boden getrommelt, getrampelt usw. Der Radau folgte auch tagsüber schon mehrfach, wenn das MiniMi laut spielte.

Ich persönlich finde das einfach nur albern, den Mann belastet das aber sehr. Und mit sehr meine ich: Sehr, sehr, sehr. Er ist der festen Überzeugung, dass solche Idioten sonst auch zu wer weiß was fähig sind. Ich sehe seinem Gesicht seit zwei Tagen an, wie der Gedanke in ihm arbeitet, wie sehr er sich unter Druck fühlt. Für ihn ist die einzige Lösung im Moment Auszug.

Außerdem sieht der Mann die Kinder beeinträchtigt. Das sind sie auch in der Tat: Einfach weil die Stimmung bei uns angespannt ist. Wir haben heute versucht (und ich unter der Woche auch), möglichst lange außer Haus zu sein. Kaum waren wir am späten Nachmittag wieder in der Wohnung – das MiniMi hüpfte von einem Höckerchen auf einen Teppich – trampelte es von oben zurück.

Der Mann sprach daraufhin die Nachbarin gegenüber um Rat an. Das war ein guter Schritt, weil sie praktikable Ideen hatte und auf jeden Fall auch auf unserer Seite war. Am Abend kamen dann noch Freunde vorbei, die auch in der Nähe wohnen. Er hat netterweise die Geschichte schon in der Straße gestreut und überall Empörung geerntet. Außerdem haben beide uns ihre Unterstützung zugesagt, den sehr geknickten und deprimierten Mann aufgebaut und schließlich zu einer Kneipentour entführt.

Der nächste Schritt wird nun erstmal sein, die Nachbarn konkret auf ihr Verhalten anzusprechen und gegebenenfalls eine Hausversammlung einzuberufen. Insgesamt gibt es hier nämlich sechs Parteien im Haus. Vielleicht hilft da der Druck der Gemeinschaft.

Fortsetzung folgt.

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5 Gedanken zu “Unter uns, Teil 3

  1. Ich bin beim lesen des 3. Teils immernoch fassungslos und muss daher nun auch mal kommentieren. Wie verbittert und gelangweilt von seinem eigenen Leben muss man sein um seiner Nachbarsfamilie (euch) das Leben derart zur Hölle zu machen? Und selbst wenn Kinder mal Krach machen – es sind eben Kinder. Ich wurde bisher einmal im Café von jemandem angesprochen, dass der Sohnemann „ein lautes Kind“ sei, weil er in seinem Hochstuhl gelacht hat und habe nur entgegnen können: „Wie gut, dass sie als Kind nie gelacht haben und damit andere im Café störten.“ Diese Einstellung, dass Kinder per se laut sind und nerven bringt mich wirklich auf die Palme und spiegelt einmal mehr, welchen Wert wir als Gesellschaft unserem Nachwuchs zuschreiben. Ich finde eure Idee, die anderen Parteien im Haus zu involvieren sehr gut und drücke euch die Daumen dass sich die Lage bald beruhigt.

    die Fenchelfrau

  2. Oh Mann, so was ist so oarg! Vielleicht verlieren die auch einfach die Lust daran, wenn man nicht reagiert (so war das hier im Haus bei einigen Nachbarn, die sich aber mittlerweile eingekriegt haben und auch irgendwie umgänglich wurden).

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