Das Kitadilemma, Teil 2

Heute hat die gesamte Familie Zeitlos die mögliche künftige Kindertagesstätte vom MiniMi besucht. Direkt vorne weg: Der Eindruck war besser als beim ersten Mal. Wobei der Mann einen noch besseren Eindruck hatte als ich. Für ihn war es aber auch die erste Besichtigung. Ich habe ja mittlerweile fast alles hier gesehen, was es an Kindergärten so zu sehen gibt – darunter natürlich auch die megasuperduper Einrichtungen, in denen es fast mehr Personal als Kinder und täglich selbst gekochtes Essen von glücklichem Gemüse gibt.
Der Kindergarten, der dem MiniMi nun eine Stelle geben möchte, hat drei Gruppen: Eine von 0 bis 2 Jahre, eine von 3 bis 6 Jahre und eine von 2 bis 6 Jahre. Pi mal Daumen sind keine 60 Kinder in der Einrichtung. Die Lage ist leider direkt hinter der Autobahn – wirklich direkt hinter der Schallschutzwand – dafür aber auch auf dem Arbeitsweg des Mannes. Essen gibt es vom Großcaterer. Schwerpunkt sind Ernährung und Bewegung. Außerdem ist der Kindergarten Haus der kleinen Forscher, das heißt die Kinder machen jede Woche naturwissenschaftliche Experimente. Es gibt einen Musik- und einen Englischkurs. So weit, so gut – und auch so beliebig. Ähnliche Eckpunkte und -Daten bieten vermutlich 80 Prozent der Einrichtungen hier an.
Einblick in das pädagogische Konzept zu bekommen, finde ich auch immer schwierig. Erzählen kann man viel, wenn der Tag lang ist. In diesem Kindergarten war aber zumindest das, was erzählt wurde, nach unserem Geschmack (kein Töpfchentraining, allgemein Rücksicht auf die Entwicklung des Kindes usw.)
Der Mann findet den Kindergarten gut. Ich zögere noch ein bisschen. Machen wir uns zuwenig Gedanken? Sind wir schlechtere Eltern, weil wir einfach froh sind einen Betreuungsplatz zu haben?
Da ist zum einen die fachliche Seite: Nehmen wir unserem Kind Chancen, weil es nicht lernen wird seinen Namen zu tanzen im Kindergarten? Weil es nicht an Montessori-Material zählen üben wird? Wäre sie in einem anderen Kindergarten besser betreut?
Zum anderen aufgrund persönlicher Aspekte: Ist das MiniMi schon reif für den Kindergarten? Oder ginge es ihr bei der Tagesmutter besser? Aber wäre das nächstes Jahr tatsächlich anders?
Fragen über Fragen. Bis zum Vertrag sind noch zwei Wochen Zeit.

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4 Gedanken zu “Das Kitadilemma, Teil 2

  1. Nach einem halben Jahr Beschäftigung mit Kindergartenpädagogik im Psychologie-Studium ist mein persönliches Fazit: Die Hauptaufgabe von so kleinen Kindern ist, zu spielen und Freude zu haben. Die Hauptaufgabe vom Kindergarten ist, währenddessen darauf zu gucken dass es dem Kind gut geht und es nicht zu Schaden kommt. Erziehung zuhause.
    Was wirklich genau passiert, wenn man sich grad nicht schön präsentiert, das weiß man ohnehin nicht. So lang es menschlich dort stimmt, man den Eindruck hat dass es den Kindern dort gut geht, die nötigen Rahmenbedingungen stimmen, kann man auf den Rest pfeifen.

  2. Ich bin total froh, dass ich mir diese Fragen nach der konkreten Einrichtung nicht weiter stellen musste. Wir hatten ja nur einen Platz angeboten bekommen und der Ruf ist super. Klar stellt man im Kindergarten schon irgendwie die Weichen, aber das klingt doch alles prima. Das meiner Meinung nach Wichtigste steht und fällt alles mit den Erziehern und den anderen Kindern. Wenn die doof sind, kannste den Rest auch vergessen.

  3. Ich bin sehr gespannt. Da wirkten alle ganz normal, durchschnittlich. Wir haben jetzt beschlossen, dass wir mal gucken. Platz kündigen geht ja immer noch.

  4. So ähnliches haben der Mann und ich uns das heute auch gedacht. Er meinte: “Glaubst du, das interessiert die Kinder wirklich, ob die Wände bunt gestrichen sind?“

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