Das Böse, ist das Gute, das man lässt

Gerade entspann sich in meiner Twitter-Timeline eine Diskussion zum geschlechtsspezifischen Verhalten von Kindern. Ich habe mich nicht beteiligt, finde es aber witzig, weil ich gerade gestern länger darüber nachgedacht habe. Gute Gelegenheit, auch mal was dazu zu schreiben.

In unserer Wohnung wohnen offiziell der Mann, das MiniMi, He-Man und ich. Aber hier wohnen auch Edda, Frauke, Flora, Fauna, Fritzi, Kathrin, Bernd, Puppi und Püppi. Das sind die Puppen vom MiniMi und ihre „benamten“ Teddys – eine ganz schöne Horde mittlerweile. „Typisch Mädchen!“ wird sich mancher denken. Und so sieht es auch von außen aus: Die Puppen werden ständig gewickelt, getragen, kutschiert, verarztet und auch gestillt.
Tatsächlich legt das MiniMi dieses Verhalten erst an den Tag, seit He-Man da ist. Für ihre Puppen ist sie die Mama. Sie tut einfach im Spiel das, was Menschen- und Tierkinder auf der ganzen Welt tun: Sie ahmt nach; sie tut, als ob sie groß sei. Ihr Spiel dreht sich meist darum, wie die Welt funktioniert. Und so wie sie mit mir putzt, saugt oder kocht, repariert sie auch mit Papa Stühle, sitzt stundenlang im Auto und übt „einparken“ oder baut mit ihm Duplobahnlandschaften.
Bei Kleidung, Kinderzimmer und auch Spielzeug lege ich großen Wert darauf, das es möglichst „geschlechtsneutral“ ist. Das war auch schon so bevor He-Man geboren wurde, weil ich nicht will, dass das MiniMi so ein rosa-glitzer Püppchen wird.
Dabei ist Rosa und Glitzer ja gar nicht schlimm. Wenn sie (oder He-Man?) sich dafür irgendwann entscheidet: bitte! Das, was ich mit Rosa und Glitzer assoziiere, ist viel schlimmer. Oder vielmehr: Das, was Rosa und Glitzer, nicht ist. „Weibliche“ Eigenschaften sind natürlich und durchaus wünschenswert. Sich aber darauf zurückzuziehen und Dinge nicht zu machen, weil man weiblich ist, das ist mir ein Graus. „Frag mich nicht, ich bin bloß ein Mädchen“ klingt mir da Malibu Stacy im Ohr: Mädchen können kein Mathe, nicht raufen, nicht mit Werkzeug umgehen usw. usf.
Genauso will ich auch nicht, dass He-Man eines Tages behauptet, er könne keinen Staub wischen oder Wäsche hängen, weil er ein Junge sei. Das Böse sind nämlich nicht die stereotypischen Eigenschaften, die den Geschlechtern zugeschrieben werden. Es sind die Einschränkungen, die damit einhergehen: Fähigkeiten, die verkümmern, Erlebnisse, die unerlebt bleiben, Talente, die brachliegen, weil es nicht zum typischen Bild passt.
Ich kann auch ganz vieles nicht: Ich kann zum Beispiel schlecht rennen, weil ich eine schiefe Hüfte habe. Ich kann auch schlecht einparken, weil ich schlechte Augen habe. Wichtig ist aber: ich kann nichts davon schlecht, weil die Natur mich mit einer Gebärmutter und Titten ausgestattet hat.
Deshalb hoffe ich einfach, dass wir es als Eltern schaffen, unseren Kindern zu vermitteln, dass sie Individuen sind, die sich nicht von einem gesellschaftlich geprägten Geschlechterbild einschränken lassen müssen. Bis dahin wohnen Puppen- und Duplohorden einträchtig im grünen Kinderzimmer nebeneinander.

Advertisements

3 Gedanken zu “Das Böse, ist das Gute, das man lässt

  1. Nur soviel: der Jüngste hat seine eigene Puppe´(es gab vorher immer Schreit, wenn er sie hatte und die Mädels ihre Puppen haben wollten) und kennt mittlerweile alle Lauras Stern Figuren.

  2. Ein schöner Eintrag!
    Kann ich auch unterschreiben. Ich werde richtig sauer wenn der Schwiegervater sagt „Naja als Mädchen wird sie sich nicht so für Lego interessieren. „

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s