Kleine Kinder, kleine Sorgen…

…sagt der Volksmund – und hat Unrecht. Man kann sich auch über kleine Kinder ganz schön große Sorgen machen.

Das dritte Screening stand heute an, aber es dauerte nicht sehr lange: Die Ärztin vermaß den Kopf, schaute sich den Bauchraum an und begann, der Sprechstundenhilfe Fachchinesisch zu diktieren. In dem Wust kamen die Worte „Retadierung“, „Nieren“ und „Überweisung zur pränatalen Diagnostik“ vor. Mit mir sprach erstmal keiner.

Auf dem Ultraschall-Monitor wurde derweil weiter vermessen: Herz, Plazenta, Gebärmutter-Arterien. In meinem Kopf kreisten derweil die Gedanken, über alles was ich so in Internetforen schon gelesen hatte über gestaute Nieren, über das Kind von Freundesfreunden, das ohne Nieren geboren wurde. Ich nahm mir vor, mir keine Sorgen zu machen, weil bestimmt alles halb so wild ist. Wünschte mir, dass mein Mann da wäre. Merkte, wie mir doch unmerklich eine Träne aus dem rechten Augenwinkel Richtung Ohr rollte. Und dann noch eine. Und trotz aller guten Vorsätze folgte schließlich ein tiefes Schluchzen.

Erst da blickte die Ärztin auf. Und blaffte mich an, dass sie das nur macht, um ihrer Sorgfaltspflicht nachzukommen. Um eine zweite Meinung zu haben. Niedergeschlagen wurde ich ins Wartezimmer geschickt. Ich ging auf die Toilette und heulte noch ein Ründchen. Die Praxis-Hebamme holte mich zum CTG. Sie strich mir tröstend über den Arm, erklärte, dass Kinder halt schonmal kleiner sind. Dass das einfach geklärt werden muss, weil ja sonst immer alles in Ordnung war. Dass ich nicht weinen soll, weil das nicht gut ist für’s Baby.

Mit roten Augen schleiche ich auf die Arbeit und verbringe den Großteil des Tages damit, den Termin für die pränatal Diagnostik zu koordinieren. Meine liebe, liebe eigene Hebamme schafft es, mich zu beruhigen, die Sätze auf der Überweisung verständlich zu machen und mir ein wenig Mut zuzusprechen.

Aber innerlich weine ich weiter. Weil es meiner Maus doch immer gut ging. Weil sie den ganzen Tag so munter strampelt. Und ich weine, weil ich mir selber Vorwürfe mache: Dass ich vielleicht nicht genug trinke. Dass ich die Folsäure-Tabletten nicht konsequent genommen habe. Dass ich nicht gesund gegessen habe. Dass ich doch zuviel Kaffee getrunken habe. Wer weiß.

Der beste aller Männer hält und stützt mich. Er zeigt seinen Kummer nicht. Aber sein plötzlich sehr tiefgehendes Wissen über Nierenkrankheiten zeigt mir, dass auch er den Tag nicht ohne Sorge verbracht hat. Am Dienstag sehen wir weiter.

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3 Gedanken zu “Kleine Kinder, kleine Sorgen…

  1. Ich wünsche Dir alles Gute für den nächsten Termin. Und eine bessere Behandlung als das, was Deine Frauenärztin da abgeliefert hat. Das ist wirklich unmögliches Verhalten. Natürlich machst Du Dir Sorgen, vorallem wenn die Ärztin Dir nicht einmal sagt was los ist, oder los sein könnte…
    Weinen ist nicht schlecht für Deine Kleine – was ist denn das für eine komische Idee? Aufgestaute Emotionen sind doch wirklich nichts, was man mit sich (und seinem Baby) herumtragen sollte.

    (Deine Schuld ist es natürlich schon gar nicht. Sich Vorwürfe zu machen ändert nichts, sondern macht nur, dass Du Dich noch schlechter fühlst, und Stärke verlierst. Hast Du denn auch ein verändertes Fruchtwasser-Volumen? Zuviel, oder zuwenig? Das hängt eng mit der Funktionalität der Nieren zusammen.)

    Ich wünsche Dir sosehr dass Dein weiterer Verlauf gut geht… Ich hatte den gleichen ET wie Du, schon alleine deswegen muss es bei Dir gut werden…

    Liebe Grüße,

    Mummy 1000Sunny

  2. Hmmmm… Das war nicht sonderlich nett von der Ärztin. Überhaupt nicht nett. Ich lasse unbekannterweise nen dicken Drücker da und für Dienstag sind ganz dolle die Daumen gedrückt !!!

  3. Oje wie schlimm. Diese Ungewissheit und dass die Ärzte nicht mal bei sowas sich Zeit nehmen zum Aufklären! *grrr*

    Aber Mut! Die allerallermeisten Kinder kommen absolut gesund auf die Welt. Es wird vielleicht ein zartes Prinzesschen. Ich drück alle Daumen, auch die meiner Tochter.

    Ganz liebe Grüße
    Käfer

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